Gleichgewicht, stupid!

Ganz gut doch, dass sich nun, wo sich das westliche Militärbündnis unter seinen us-amerikanisch-zionistischen Führern zur Weltherrschaft aufschwingen wollte, heraustellt, dass das russische Gegengewicht voreilig medial zu Grabe getragen worden war, und dass im Kremel nun wieder das berechtigte Misstrauen gegen den Westen hinter den Schaltknöpfen der russischen Kriegsmaschinerie Platz nimmt? Trauriges Fazit nach einem Vierteljahrhundert der propagierten Erhohlung vom Kalten Krieg: Solange er kein warmer oder heißer ist, will er, vom ressourcenverschlingenden Wettrüsten einmal ganz abgesehen, immer noch als bessere Alternative erscheinen zum flächendeckend schleichenden Tod auf Raten, wie er uns hier im unumkämpften Herrschaftsgebiet des “Westens” befällt.

Was haben wir gejubelt, als vor nun gleich 25 Jahren der unsichere Balanceakt der Weltmächte beendet schien, und sich die eine Seite, endlich am Ende ihrer Wirtschafts- und damit Agressionsfähigkeit, friedlich auf die andere, wie wir meinten, demokratische Seite, schlug!
Der Osten – oder besser: seine in Jahrzehnten mittels Scheinideologie und Individiumsfeindlichkeit gedemütigte Bevölkerung – lebte wieder auf, erlangte kurz Kreativität und Schaffenskraft zurück, fast gar ihr Selbstbewusstsein; der Westen, wo er sich nicht der Siegerarroganz hingab, – die zeigte sich im Jugoslawien-Feldzug am blutigsten, – konnte sich einiges davon abschauen und nutzbar machen, und gerade in Deutschland, wo der eiserne Vorhang durch eine sprachlich verwandte Bevölkerung verlief, hätte die Situation zu neuen, vorher nie geahnten Ufern führen können.

Zwanzig Jahre unter der neuen Konstellation allerdings haben die Menschen dies- und jenseits der einstigen Demarkationslinie ausreichend Einsicht, manchen bereits das Fürchten gelehrt – und sieht einer bis heute keinen Grund zur Klage, liegt das nur daran, dass er besonders ignorant, sich eine besondere Position erarbeitet, oder glaubt, sich die erarbeitet zu haben. Das Kapital, wenn wir bei diesem Begriff aus der Ideologie der “Kommunisten” für die fast schon naturgesetzmäßig Besitzenden bleiben dürfen, das Kapital verschlingt zum Ende hin alles und jeden, wenn man ihm nicht wieder und wieder kräftig auf die Schnauze schlägt. Geld ziehe Geld fömlich an, wird gemunkelt, und dabei vergessen, dass Besitz von Rechtschaffenheit und Moralität regelrecht befreit, einen Blankoscheck für das weiter Raffen auf Kosten und zum Schaden anderer ausstellt. Dabei sollte Geld einst den in Zahlen gefassten Wert des Individiums für die menschlichen Gemeinschaft darstellen.

Der Osten – seine Facharbeiter, Wissenschaftler, Künstler – begriffen es instinktiv und damit als Kraft fürs Auf-die-schnauze-hauen vorerst untauglich, dass die Wertigkeit in der “freien Welt” eine andere sein musste, doch mit den Erkennen des Charakters der “Krise” als einer vom Kapital künstlich iniziierten Verknappungs- und Massenverarmungsstrategie ohne freundlichere Aussichten dämmert es bereits vielen links und rechts der einstigen Demarkationslinie der Demokratie: Das ist nicht mehr unsere Welt, für die wir uns aufreiben, totschuften, streiten, Friedfertigkeit demonstrieren, Kinder aufziehen. Der finanzielle “Rettungschirm” für ein Großeuropa der Monopole und der Auslandseinsatz einer dem Friedenhalten verpflichteten Armee zugunsten monetärer Erwägungen, wie ein dann zurückgetretener Bundespräsident flüsterte, mögen hier nur als die ohnehin populären Beispiele angeführt sein, begonnen hatte das dem machiavellischen Prinzip entsprechende Polarisieren ja schon bald nach dem bejubelten “Ende des Kalten Krieges” mit dem “Krieg gegen den Terror”.

Nicht jedem mag aufgegangen sein, dass zwei Handvoll, in Höhlen lebende Männlein – seien sie Eiferer welcher menschenverachtenden Religion auch immer – unmöglich eine wehrhafte Weltmacht wie die USA auch nur in Verlegenheit hätten bringen können; als der Große Rächer des friedlichen Abendlandes darauf aber in die Höhle des Drachens zu ziehen vorgab , war sogar die heutige Bundeskanzlerin des Unverständnisses über das deutsche Unbeteiligtseins voll, und bat bei Ritter George Dabbeljuh um Abbitte für den deutschen Michel. Dass mit ihr nicht viel später das Lehnsherrenrecht über diesen in ihre Hände gelegt wurde, ahnte nicht, wer nicht auch schon von den im geheimen weltordnenden Vereinen wie Bilderbergern, Trilateraler Kommission oder Atlantikbrücke gehört hatte.
Dass die Machtausübung in Afghanistan nun von ein paar Koranschülern auf ein ganzes Volk übertragen werden sollte, und der Irak gar einer Einheitspartei unter ihrem blutrünstigen Führer entrissen wurde, musste begrüßen, wer auch nur eine Ahnung von der Bedeutung des Wortes Demokratie hatte. Damit waren Afghanistan- und Irakkrieg kleine und notwendige Korrekturen, und moralisch nicht niedriger zu bewerten als ein Einsatz gegen die – vorgegaukelten, wie wir leider heute erst genau sagen können – Konzentrationslager Großjugoslawiens.

Aber die Sache scheint ausufern zu müssen, denn überall, wo die verhassten Köpfe abgeschlagen wurden, wuchsen scheinbar zwei neue nach, und wurde die Behauptung von einer religiös determinierten Terrorfreudigkeit vor kurzem noch als faschistoide Propaganda gegeißelt, gilt sie heute als ausreichend poltikwissenschaftlich hinterlegte Begründung für den momentan jämmerlichen Zustand der Welt. Mittlerweile haben wir aber auch den Terror an der eigenen Haut zu spüren bekommen – seien es die Schulkinder in Toulouse, in Winneneden oder Erfurt, in Warteschlangen ihrer Leibesvisitation harrender und bis auf den Sterz durchleuchtete Flugzeugpassagiere, im Rahmen des Vorgehens des Staates im Sinne “rechten Terror”-Fahndung Gepeinigten – und, wenn nicht gleich die Idee von der Herz-Losigkeit, so doch die vom gar viel zu großem Herz unserer Beschützer bekommen.

Nun stehen wir noch immer in Afghanistan gegen den Terrror, vor Somalia, geben das Letzte gegen Palästina – und konnten wir uns in Lybien noch mit dem Verweis auf ein fehlendes UNO-Mandat herrausreden, wird uns die Sache angsichts eines angeblich atomwaffenfuchtelnden Irans oder eines massenmordenden Diktator in Syrien so leicht nicht gemacht werden. Im Notfall, das hat ja auch schon der Jugoslawienfeldzug unter Schröder und Fischer gezeigt, hält es Deutschland nicht anders als die USA: “Mit UNO-Mandat falls möglich, ohne, falls nötig”

Keine Ahnung, wie der Russe tickt, freilich! Vielleicht hat der sich wirklich Illussionen einer zukünftigen Welt in Frieden gemacht, als er sich damals, vor fast 25 Jahren, nicht entschließen konnte, sein zerfallendes Weltreich mit Gewalt zusammenzuhalten; Gorbatschow hatte ohne Wenn und Aber in ein Wiedervereinigung Deutschlands unter westlichem Regime zugestimmt, auch wenn das vom damals amtierenden Bundeskanzler Kohl geleugnet und für die eigenen Ziele umgeschrieben wurde. Auf der Sicherheitskonferenz in München dieses Jahr waren es die Russen (neben China), die die nachhaltigsten Friedensvorschläge präsentierten; Putin ist KGB ist Kalter Krieger ist gefährlich – momentan ärgern wir uns aber mit der eigenen Administration herum – und “ärgern” ist ja wohl nur eine schlappe Beschreibung des Ungemachs, dass uns bereits befallen hat und dessen Ausgang, folgend den Interpretationen der Welt durch diese Führer – verdeckte oder deren Handpuppen “Bundeskanzler”, “Premierminister” – ein schreckliches sein wird.

Und wenn da jetzt ein Stoppschild aufgestellt wird für eine maßlos expandierwütige Welt (der wir längst nicht mehr angehören – wer es gemerkt hat -, sondern nur noch den Stiefel lecken oder Kanonenfutter stellen), und sei es auch nur in Form eines Stoppschildes für einen “Raketenabwehrschild”, hinter dem wir uns gerade – im Begriff, auszuteilen ohne einstecken zu müssen – verrammeln wollten, könnten wir so dem Ideal eines wahrhaft von allen seinen Bewohnern gestalteten Planeten vorerst ein Stück näherbleiben.

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Eine Antwort to “Gleichgewicht, stupid!”

  1. Gleichgewicht, stupid! | Heinrichplatz TV Says:

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