Tempel der Umnachtung

– wo der Alois mit dem Benedikt Verstecke spielt

Von einer allgemeinen Glaubenskrise in der Kirche soll der Papst ausgehen, verlautete aus Rom nach der Sitzung, zu der der Papst Bischöfe aus Irland zitiert hatte; im letzten Jahr war bekannt geworden, dass in Irland seit 1930 bis in die Neunzigerjahre hinein tausende Heimkinder von Angehörigen der katholischen Kirche gequält und vergewaltigt worden waren. Diese Krise mache er mitverantwortlich für das „Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen“.
Zwei Tage hätten die Würdenträger geratschlagt, „warum die irische Kirche über so viele Jahre hinweg im Umgang mit den Missbrauchfällen versagen konnte“;

„Komödie und einzige Irreführung der Menschheit!“, versichert die Theologin und Autorin einiger Bücher über die katholischen Kirche, Uta Ranke-Heinemann (Tochter von Gustav Heinemann). In einem Interview gegenüber dem „Deutschlandfunk“ (18. 02., „Kultur heute“) zerstört sie energisch eine Hoffnung, dass mit den bekanntgewordenen Fällen nun auch Reue in der katholischen Kirche eingezogen sein könnte: „Die katholische Kirche kann niemals Schuld eingestehen! Unfehlbar ist: Der Papst.“

Sie wisse von zwei geheimen kirchlichen Dienstanweisungen, „die jeder Bischof in seinem Tresor liegen hat. Das erste, von 1962, „Crimen Sollicitationis“ , das zweite von Kardinal Ratzinger, von 2001 „De delictis gravioribus“. Beide Geheimschreiben betonen die „ausschließliche Kompetenz des Vatikans“ in Pädophiliefällen. Gleichzeitig werden alle Bischöfe unter Strafe der Exkommunikation aufgefordert, alle Missbrauchsfälle ausschließlich und nur an den Vatikan zu melden.“
Es sei genau dieses Geheimschreiben, das die irischen Bischöfe ja auch befolgt hätten, so die Theologin.

Während Bischof Walter Mixa zu Augsburg dieses Schreiben wohl nicht gleich gegenwärtig war, wenn er laut in der Augsburger Allgemeinen über die 68er Bewegung mit ihren folgenden Freizügigkeit nachdenkt, die er für die pädophilen Übergriffe seiner Sektenbrüder verantwortlich macht, sollten den Verlautbarungen vom Heiligen Stuhl vielleicht doch Beachtung geschenkt werden. Zwei Tage am Grübeln und dennoch nicht auf seine Dienstanweisung zu kommen? Derweil die Bischöfe zur Ehrlichkeit mahnen? Die herzzerreißenden Bilder, wie ein von aller Welt verehrter „Papa“ dem Verfall anheim fällt, sind noch gut in aller Erinnerung – was machte es für einen Unterschied, ob der Verfall nun körperlicher oder geistiger Natur ist?

Bis wir da aber nichts genaueres wissen, wollen wir glauben, dass Ratzinger ein typischer Zeitgenosse der oberen Etagen ist – und dann hätte er mehr als ausgedient mit den vergangenen Tagen. Als 1977 der damalige den heutigen Papst zum Erzbischof von München und Freising weihte, wählte Alois Ratzinger als Bischofs-Motto „Mitarbeiter der Wahrheit“ und erklärte das so: „Zum einen, weil es mir die vereinigende Klammer zwischen meiner bisherigen Aufgabe und dem neuen Auftrag zu sein schien“.
Das verriet eine gute Antenne für Vorbestimmung – wenn Gottes Mühlen auch langsam mahlten: Die Wahrheit, die er derart diskreditierte, möge ihm nun unzart auf die Lackschühchen fallen!

Der derzeitige Papst ist Dogmatiker- die Dogmatik hat er studiert, und hat sich in seiner langen Dienstzeit für die katholische Kirche eher erhärtet, was die Duldsamkeit gegenüber Sünden betrifft. Dass aber mit seinem Abgang – der unter anderem vehement Streitschriften f ü r das Zölibat verfasste – nun in den Heiligen Hallen in Rom die vielfach geäußerte Vermutung Gehör finden könnte, es sei gerade diese verordnete Enthaltsamkeit, die die Priester zu ihren pädophilen Handlungen triebe, hält Frau Ranke-Heinemann für nicht realistisch: „Im Gegenteil! Die beiden letzten Päpste haben die zweitausendjährige Vertreibung der Frauen zum Abschluss gebracht. Die Kirche ist sozusagen in ihrem Kern jetzt völlig mono-sexuell. Ein Junggesellenreferat, zu dem nur noch die Jungfrau Maria Zutritt hat.
Das Problem der Kirche ist jetzt – so steht es auch im Weltkatechismus von 1992 (23575859) – die Erziehung der Homosexuellen zur Keuschheit – aber das wird wohl noch einige Zeit dauern, im Moment haben wir diese Katastrophe der verheimlichten Fällen seit 1962 – dass Schwerverbrecher dauernd versetzt werden. Das ist eigentlich alles unglaublich…“

Die Begründung für sein Motto zur Bischofswahl hatte einen zweiten Teil: „Und weil in der heutigen Welt das Thema Wahrheit fast ganz verschwunden ist, weil sie als für den Menschen zu groß erscheint und doch alles verfällt, wenn es keine Wahrheit gibt.“
Wir wollen es nicht vergessen!

Veröffentlicht in Hühnerauge. 2 Comments »

2 Antworten to “Tempel der Umnachtung”

  1. Die Menschen Ignorieren es | missbrauchsfall.de Says:

    […] Tempel der Umnachtung Diese Krise mache er mitverantwortlich für das “Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen”. Zwei Tage hätten die Würdenträger geratschlagt, “warum die irische Kirche über so viele Jahre hinweg im Umgang mit den Missbrauchfällen versagen konnte”;. Komödie und einzige Irreführung der Menschheit, versichert die Theologin und Autorin einiger Bücher über die katholischen Kirche, Uta Ranke-Heinemann (Tochter von Gustav Heinemann). In einem Interview gegenüber dem … https://volksauge.wordpress.com/ — Thu, 18 Feb 2010 17:58:08 -0800 Posted in: Allgemein […]

  2. Missbrauchsfall in der Kirche | missbrauchsfall.de Says:

    […] Tempel der Umnachtung Diese Krise mache er mitverantwortlich für das “Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen”. Zwei Tage hätten die Würdenträger geratschlagt, “warum die irische Kirche über so viele Jahre hinweg im Umgang mit den Missbrauchfällen versagen konnte”;. Komödie und einzige Irreführung der Menschheit, versichert die Theologin und Autorin einiger Bücher über die katholischen Kirche, Uta Ranke-Heinemann (Tochter von Gustav Heinemann). In einem Interview gegenüber dem … https://volksauge.wordpress.com/ — Thu, 18 Feb 2010 17:58:08 -0800 Posted in: Kindesmissbrauch […]


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