Mathekurse auf der Demenz-Station

– wie aus x kleinen Lügen eine große Wahrheit wird

Wann immer sie nach Argument für einen Krieg suchen, greifen seine Treiber auf die immergleichen Muster zurück. Wieder und wieder wurden ihre Intrigen, gestrickt nach eben diesen Mustern, spätestens im Nachhinein von der Weltöffentlichkeit erkannt, verurteilt oder zumindest als Irrtum bedauert, den es in der Folge zu vermeiden gelte – was sie nicht hindert, ihrem nächsten Abenteuer wieder diese Strickmuster zu unterlegen; dass man meint, nun endlich müsste in der Welt das unfrohe Gelächter ausbrechen. Es erscheint nun fast so, als sei dieses stoische Wiederholen nicht Einfallslosigkeit, sondern purer Zynismus, höhnisches Grinsen: Es ist uns gleich, was Du davon hältst – wir machen ohnehin, was wir wollen – und wer dabei nicht mit uns ist, ist bald selbst nicht mehr.“

„Geheimes Besser-Wissen“ – das angebliche, aber im Interesse der Sicherheit nicht beweisbares Verfügen über sicherere Informationen, ist ein solches Muster. Als die USA und Großbritannien den Irak wegen seiner Massenvernichtungswaffen angegriffen, wussten sie aufgrund geheimer Informationen besser als alle Augenzeugen und berufenen Inspektoren, dass der Irak noch immer über ein hoheses Potenzial an die Welt gefährdenden Waffen verfügte. Für dieses bessere Wissen bekamen sie zwar nicht das angestrebte UNO-Mandat, es brachte dennoch erneut Massenmord und Verderben über den Irak und sichert den Invasoren noch heute, acht Jahre und der Widerlegung dieses besseren Wissens später, unangefochten Macht über Politik und Wirtschaft des Landes.

Hans Blix, von 1981 bis 1997 Direktor der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO, führte eine Kommission der UNO im Irak zur „Überwachung, Verifizierung und Inspektion“, die 2002 im Irak begann, nach Massenvernichtungswaffen zu suchen,  aber keine fand. 2003 wurde Blix die Leitung entzogen, kurz darauf bestritt er den USA und Großbritannien jegliche rechtliche Grundlage für ihren Krieg und unterstellte W. Bush und Blair, Warnungen bezüglich der Beweiskraft von „Informationen“ über Iraks angebliches Massenvernichtungswaffenarsenal in den Wind geschlagen zu haben. „Die Absicht war es, zu dramatisieren, so wie die Verkäufer mancher Waren versuchen, die Bedeutung dessen, was sie haben, zu übertreiben,“ so Blix. Er schildert in einem Buch die Anfeindungen durch die Kriegswilligen, denen er als Chef der UN-Waffenkontrolleure ausgesetzt gewesen sein soll. (Hans Blix: „Mission Irak“; 2004. zit. nach wikidedia)

Wieder weiß man besser in den Wachtürmen, diesmal sogar besser als die eigenen Geheimdienste. Die haben 2007 in einem Dossier erklärt, dass sie seit spätestens 2003 die iranische Atomwaffenforschung als erloschen betrachten.

Mit ihrem neuen Generaldirektor änderte sich, wenn auch nicht die faktische, so doch die tonale Wiedergabe der Fakten bei der Atomaufsichtsbehörde: Wo unter ElBaradei nicht ausgeschlossen wurde, wird unter Yukiya Amano betont.
Diese neue Aufbereitung alter Tatsachen scheint die gewohnte Verbiegung von Tatsachen bereits einzuleiten – der neuartige Bericht der Behörde zeige, „dass die Atomaufsicht der Vereinten Nationen unter der neuen Leitung von Yukiya Amano ihre technischen Aufgaben gewissenhaft erfüllt und ehrlich über die Fakten berichtet.“, lobt die Washington Post heute überschwänglich die neue Interpretation und neuversteht ihn bereits als einen „deutliche(n) Wandel im Vergleich zu der politisierten Haltung seines Vorgängers Mohammed El Baradei. Dieser weigerte sich, aus den Beobachtungen im Iran die offensichtlichen Schlüsse zu ziehen. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die neue Aufrichtigkeit auch die Diskussion im UNO-Sicherheitsrat über weitere Sanktionen voranbringt.“zit. nach Deutschlandfunk – Presseschau vom 20.02.2010 12:00:

Es mag noch um Sanktionen gehen – auch die sind Krieg genug, und waren im Falle der Sanktionen gegen den Irak im Vorfeld des Krieges nicht weniger tödlich.
Beschließt der Sicherheitsrat diese Sanktionen, kommt das einer Schuldigsprechung des Iran gleich.
Ob das die zynische Fratze überhaupt noch nötig hat?
„Wehe dem Staatsmann, der sich nicht nach einem Grund zum Krieg umsieht, der auch nach dem Krieg noch stichhaltig ist“. Das sagte Bismarck 1850. Die Zeiten haben sich gründlich geändert?

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