Morgen kommt der Osterhase

– und was man in Deutschland sonst noch glaubt

Wer davon lebt, einen Feind zu bekämpfen, hat ein Interesse daran, dass er am Leben bleibt.

Friedrich Nietzsche (Zit.)

In Afghanistan hat es wieder deutsche Soldaten erwischt, für drei von ihnen endete das Leben am gestrigen Karfreitag, für vier oder fünf weitere, da herrscht in den deutschen Medien noch keine Einigkeit, stehen die Überlebenschancen schlecht, und fast ist man gewillt, dem Herrgott zu danken angesichts der Opferzahlen aus anderen Krisenregionen. Und ist seinerseits bestürzt über die Politiker unseres Landes.

Für Entwicklungsminister Niebel zeige der Angriff vor allem eins: „Wir sind alle der festen Überzeugung, dass dieser schändliche Angriff noch einmal wieder deutlich macht, wie gefährlich das Engagement unserer Soldaten, aber auch der zivilen Kräfte, hier in Afghanistan ist…“

„Mit großer Bestürzung“ habe die Bundeskanzlerin „von dem verabscheuungswürdigen und hinterhältigen Angriff auf unsere Soldaten in Afghanistan gehört“, ließ sie am Freitag erklären, und auch
Entwicklungsminister Niebel spricht von Entsetzen und Erschütterung „über den Tod und die Verwundung unserer Soldaten.“ (MDR Info, Sendung 3.4. 10; 1:05 Uhr)

Verteidigungsminister zu Guttenberg unterbreche wegen der Ereignisse in Afghanistan seinen Osterurlaub in Südafrika und werde früher nach Deutschland zurückkehren. „Mit großer Betroffenheit“  habe auch er „von den gefallenen und verwundeten deutschen Soldaten in Afghanistan erfahren müssen“, hieß es in seiner schriftlichen Stellungnahme und „Angesichts von Gefechten dieses Ausmaßes“ werde nun auch ihm „deutlich, wie gefährlich der gleichwohl notwendige Einsatz in Afghanistan ist.“

Man reibt sich verwundert die Augen: Es hatte sich in unserer Regierung also noch immer nicht herumgesprochen, dass in Afghanistan zumindest „kriegsähnliche Zustände“ herrschen?

Hatte nicht der ehemalige Verteidigungsminister der Union, Volker Rühe, schon vor diesem erneut tödlichen Zwischenfall die jahrelange Bewertung des Afghanistan-Einsatzes als Friedens- und Stabilisierungsmission eine „Lebenslüge“ der Politik genannt? Und auch der Verteidigungsminister der großen Koalition, Peter Struck (SPD), gestand doch unlängst, „dass das wirklich ein militärischer Kampfeinsatz ist, haben wir am Anfang nicht gesagt“?

Und wurde nicht Generalinspekteur der Bundeswehr Schneiderhahn mit seiner Aussage vom April 2009, als es den ersten toten Soldaten in Afghanistan zu beklagen gab, zitiert: (MDRinfo 3. 4.; 1:05 Uhr): „Die bisherige Taktik war eine ‚hit and run“.“  (schießen und wegrennen) „Und das ist jetzt etwas anderes. Das war eine geplante Aktion, man könnte fast sagen: militärisch geplante Aktion.“?

Die „Dresdner Neuesten Nachrichten“ wundert sich ebenfalls: „Die neue Tragödie von Kundus zeigt auch, dass der Bundeswehreinsatz im Rahmen der ISAF-Mission die militärische Lage kaum verbessert. Die beweglichen Taliban-Truppen schaffen es offenbar immer wieder, die deutschen Soldaten in Hinterhalte zu locken.“ (zit. nach mdr Presseschau)

Was glaubte man denn: Wie haben es die Russen in über zehn Jahren nicht schaffen können, Afghanistan in die Knie zu zwingen? Wegen Schießens und Wegrennens?

Der neuerliche Angriff zeige nun (nach MDRinfo) endlich, „dass die Taliban trotzdem weiter über  funktionierende Kommandostrukturen und ausreichend Kämpfer und Waffen verfügen.“

All diesem gespielten Soeben-erst-aufgewacht-entschuldigungen und Von-allem-nichts-gewusst-wegguckern sei entgegengehalten, was die Spatzen seit geraumer Zeit von den Dächern pfeifen – zu laut, als dass es der Regierungsapparat, selbst wenn er bis dahin keine Ahnung hatte, noch nicht erfahren haben könnte: Insider berichteten schon Mitte vorigen Jahres,  „Taliban“ würden von denen, die vorgeben, sie zu bekämpfen, nicht nur milde am Leben, sondern auch unter modernen Waffen gehalten: Kanadische, US-amerikanische und britische Truppen würden sich gegensitig überbieten, den Taliban Waffen zur Verfügung zu stellen – um damit die jeweils anderen Alliierten ins Visier zu rücken und den eigenen Truppen freies Geleit abzukaufen.

So gesehen kann man in Merkels Aussagen über das Kriegsabenteuer Afghanistan wohl auch ein paar wahre Worte herausinterpretieren, wenn sie im Januar, anlässlich der Erhöhung des Kontingents für Afghanistan – ohne freilich dann auch dem Bereitstellen menschlichen Kanonenfutters abzuschwören – sagte, die internationale Gemeinschaft habe in Afghanistan eine Bewährungsprobe zu bestehen, wenn es um den Kampf gegen den Terror, die internationale Sicherheit und auch die Verteidigung der Menschenrechte gehe.

p.s.
Die mediale Geschichte, dies sei abschließend noch angemerkt, entbehrt wieder jeder Plausibilität. Beim Brückenbauen seien die Soldaten in einen Hinterhalt geraten, als sie gerade dabei waren, eine Sprengstofffalle zu entschärfen. „Nach einem stundenlangen Gefecht gegen etwa 200 Talibankämpfer“, so wird ein afghanischer Politiker zitiert, von 100 spricht dpa, wäre es dann zu den Toten und Verletzten gekommen. Man sei auf eine Mine aufgefahren, hieß es aber auch; in den Morgenstunden wurde dann zusätzlich bekanntgegeben, die deutschen Kämpfer hätten ihrerseits ein Blutbad unter befreundeten afghanischen Kämpfern angerichtet: Ein Versehen, weil die Opfer auf „Halteschilder nicht reagiert“ hätten.
Vor der Tat, so wusste es die Thüringer Allgemeine (zit. nach Presseschau 3. 4. 10.) seien aus Talibankreisen Informationen an deutsche Medien gegangen: „So riefen Sprecher der Taliban-Angreifer noch während des Gefechtes gezielt deutsche Medien an, um sicher zu gehen, dass ihre Aktion auch unbedingt wahrgenommen wird.“, um dann, wohl schon ganz festtrunken, zu schlußfolgern:
„Es gehörte zum Kalkül, den Überfall … in das christliche Osterfest zu platzieren…. Der Propagandafeldzug richtet sich damit parallel auf die deutsche Öffentlichkeit.“

Advertisements

Eine Antwort to “Morgen kommt der Osterhase”

  1. ebook Says:

    Ich weiss wirklich nicht, was deutsche Soldaten im Ausland, vor allem Afghanistan zu suchen haben. Das konnte mir bis jetzt keiner erklären. Es kann doch nicht sein, dass wir Deutschland am Hindukusch verteidigen müssen, wie es die SPD sagt. Da wäre ein Einsatz in Dafur sicher angebrachter. Haben wir denn gar nichts gelernt? Meines Erachtens sollten die deutschen Soldaten so schnell als möglich nach Hause (Deutschland) geholt werden.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s