Urlaubern gegen den Krieg

Was tun, wenn dein Staat deine Urlaubsregion zu Feindesland erklärt?

Mit: „Terrorwarnung  – Die Regierung in Jerusalem hat alle Israelis in einer „dringenden“ Warnung zum sofortigen Verlassen der Sinai-Halbinsel aufgefordert.“ lässt uns am Dienstag 13.04.2010 spiegel.de aus den Betten fahren und zitiert einen am selben Tag „veröffentlichten Aufruf“ Israels an seine Bürger im Sinai mit „konkreten Hinweisen“ dafür, dass „Terroristen die Entführung israelischer Bürger planten.“

„Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, und die Warnung ist außergewöhnlich scharf formuliert.“, resümiert es, und zitiert: „“Wir rufen alle Israelis, die sich auf dem Sinai aufhalten, dazu auf, sofort nach Israel zurückzukehren“, hieß es.“

tagesschau.de ergänzt: „Mit dem Aufruf, „sofort abzureisen und heimzukehren“ versuchte die israelische Regierung () die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu wecken, damit Israelis ihre Verwandten und Bekannten, die in dem Gebiet unterwegs sind, möglichst rasch von der drohenden Gefahr unterrichten.“

„Es müsse weiter damit gerechnet werden, dass islamistische Terroristen versuchten, israelische
Urlauber im Sinai zu entführen“, wird auch heute (14. 4. 10) von tagesschau.de der Befehlshaber der Terrorabwehr, Brigadegeneral Nitzan Nuriel, im israelischen Rundfunk zitiert: „Die Warnung ist gültig. Sie basiert auf einer konkreten, aktuellen Geheimdienstinformation. Es gibt im Sinai eine Terroristen-Gruppe, die ihre Vorbereitungen abgeschlossen hat und sich in einem sehr fortgeschrittenen Stadium befindet. Vielleicht hat sie ihre Pläne auch schon ausgeführt und wir wissen es einfach nicht.“

Die Armee hatte zuvor schon Meldungen, auf dem Sinai sei bereits ein israelischer Soldat entführt worden, dementiert. Auch die später durch die Medien plätschernde bereits vollzogene Entführung eines Touristen konnte, das wollte obige Aussage – „wir wissen es einfach nicht“ – wohl meinen, bisher noch nicht bestätigt werden.

Der israelische Anti-Terror-Stab hatten bereits vorm jüdischen Pessach-Fest vor zwei Wochen eine allgemeine Reisewarnung für den Sinai herausgegeben. Dennoch reisten etwa 20 000 Israelis, wie dort gesagt (und eine „36%ige Zunahme“ kostatiert) wird, nach ägyptischen Angaben reisten 35.000 Israelis, in den Sinai.

Auch die neuerlichen und dringenden Warnung würden, so heute Deutschlandfunk in seiner Sendung (14. 4. 10; 18:30 Uhr) nicht sonderlich ernst genommen: Eine Reisewarnung für israelische Urlauber auf dem Sinai hätte in der Vergangenheit immer bestanden und sei längst von Israelis und ihren Medien als „Meinungs- oder Panikmache“ verstanden worden.

„Ein Angehöriger der ägyptischen Sicherheitskräfte“ so berichtete stern.de auch heute, Mittwoch, hätte auf Anfrage erklärt, die von Israel veröffentlichte Warnung entbehre jeder Grundlage. Es gebe keine aktuelle Gefahr für Touristen auf der Sinai-Halbinsel und auch keine speziellen Risiken für Israelis.“ Auch Vertreter der ägyptischen Polizei hätten die Berichte über eine Terrorgefahr auf dem Sinai dementiert.

Natürlich, auch der Sinai – als Nachbar Israels – spitzt bei solchen Tönen die Ohren – respektive Ägypten, an das vor über einhundert Jahren die Osmanen die ca. 60 000 km² (das ist weniger als Bayern) große Halbinsel abgeben mussten. Im Oktober 1956 stand Israel, unter Waffen, erstmals am Suezkanal und wollte den besetzen.  Doch USA und Sowjetunion schickten es zurück. Dennoch bekam der Sinai (und der des Kommunismus verdächtigte – er hatte den vom internationalen Finanzkapital gewegebelagerten und politisch kontrollierten Suezkanal „verstaatlicht“; seinem Volk zurückgegeben – ägyptische Präsident Nasser) wenig Ruhe.

Im November 56 wurde – ihr erster Einsatz, eigens dafür geschaffen – die „Internationale Friedenstruppe“ auf der Sinai-Halbinsel instaliert – die sich erst 1967  wieder zurückzog; auf dass der Sinai („Sechstagekrieg“) aber wiederum von Israel besetzt wurde. Diesmal mit der Unterstützung der USA, und Europa, denn (wikiped.): „Damit reagierte Israel auf die Sperrung der Straße von Tiran, Israels einzigem Zugang zum Indischen Ozean, durch die Ägypter.“ Ägypten wendet sich vom Westen ab, und dem Osten zu, und erhält nun auch seine Rüstung nun von der Sowjetunion. 1973-1979 schickte man eine weiteren UNO-Mission (UNEF II),
(Weiter Wikiped.): „Nach dem Camp-David-Abkommen 1978 und der Unterzeichnung des Israelisch-ägyptischen Friedensvertrag 1979 wurde sie 1982 (nach der Ermordung des ägyptischen Präsidenten – meine Anm.) an Ägypten zurückgegeben.

Nach dem Ende von UNEF II folgte am 3. August 1981 eine außerhalb der UN angesiedelte internationale Friedenstruppe, die Multinational Force and Observers (MFO).“ (alles wikiped.-Zit.)

1989 endlich, mit der Rückgabe des letzten Stücks Land durch Israel, war das Territorium des Sinai wieder vollständig unter ägyptischer Hohheit. .

2004, 2005 und 2006 kam es zu Terroranschlägen in drei Sinai-Badeorten, die alQuaida zugeschrieben worden und bei denen mehr als 120 Menschen getötet worden, darunter auch Israelis.

Israels Regierung ging heute von verbliebenen 550 israelischen Urlaubern auf den Sinai aus. Dass diese Zahl sich wohl nicht verringern wird, legt ein Bericht bei Deutschlandfunk (23:10h, „Das war der Tag“) nahe. Auch die neuerlichen und dringenden Warnung würden, so die Recherchen des Senders, zunehmend mehr Israelis nicht abhalten können, ihren Urlaub im schönen Sinai zu verbringen.

Ägyptisch-israelische-Grenze bei Eilat Quelle wikipedia

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