Kreuzzüge. Der Schoß ist fruchtbar noch…

Zu Guttenberg zog heute im Untersuchungsausschuss zur „Kundus-Affäre“ seinen Kopf aus der Schlinge, „zufällig“ (Zit. Welt online) zeitgleich forderte die Kanzlerin in einer Regierungserklärung im Bundestag „mehr Rückhalt für die deutschen Soldaten“ – der „Afghanistan-Einsatz“ sei „alternativlos; die Folgen eines Abzugs wären „weit verheerender als die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001“ (zit. welt.online)
Kaum vorstellbar für die, die sich mit diesem Tag und seinen Auswirkung auf Menschenrechte und Weltfrieden befasst haben – aber wohl jeder hat die rauchende Türme, aus denen Menschen springen und  Bilder wie nach einem Bombenangriff vor Augen, erinnert sich der Tausenden Toten – „Menschen wie Du und ich“ – ein normaler, sonniger Morgen im September in der größten Metropole der freien Welt…
Der Abwehr solchem Horrors also dient Deutschlands Einsatz in Afghanistan? Und wir quälen wir die Regierung, es „Krieg“ zu nennen, ergötzen uns über deren Umgangssprache und schreien wegen der ersten zivilen Opfer: „Zurück! Krieg aus!“?

Der Katholische Militärbischof Walter Mixa (Augsburg) hat zum 01. März 2010 im Institut für Theologie und Frieden ein „Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften“ (ZEBIS) errichtet.

„In diesem Zentrum sollen“, so der Webauftritt der Katholischen Seelsorge bei der Bundeswehr, nicht nur „die Militärseelsorger/innen für ihre Aufgabe, ihren Beitrag zur ethischen Bildung der Soldatinnen und Soldaten im Rahmen des lebenskundlichen Unterrichts zu leisten, fortgebildet werden“, sondern „darüber hinaus“ , biete es Angehörigen der Bundeswehr – „zumal solchen mit Führungsverantwortung“ – „in enger Zusammenarbeit“ mit bereits bestehenden Einrichtungen der Bundeswehr, „in denen Themen einer soldatischen Berufsethik vermittelt werden (), eine berufs- und friedensethische (Weiter-) Qualifikation an.“

Bei einer Eröffnungsfeier am 12. April übergab „Militärbischof Walter Mixa“ in Anwesenheit des Weihbischofs des Erzbistums Hamburg und ranghoher deutscher Militärs der nun Direktorin des Zentrums „und ausgewiesenen Sozialethikerin“, Dr. Veronika Bock die Ernennungsurkunde, und das Zentrum seiner Funktion.

„Bei der Eröffnungsfeierlichkeit“, so der Bericht, „die das Hamburger Bläserensemble „Elbe-Brass“ musikalisch begleitete,“ – gab Mixa die „frühzeitig () ihm…zusammen mit dem damaligen Generalinspekteur General Schneiderhan in den Blick genommen(nen) ersten Überlegungen zur Änderung der „Zentralen Dienstvorschrift für den Lebenskundlichen Unterricht“ als Gründungsidee aus.

Was Lebenskundliche Unterricht sei, erfährt man auf der Homepage auch: „In der Vielfalt der Meinungen und Werte brauchen gerade Soldaten Klarheit über die eigene Lebensorientierung und die Befähigung zum verantwortungsvollen Handeln. Dies wird durch die zunehmenden Einsätze in Krisen- und Bürgerkriegsgebieten um so notwendiger.
Insoweit gewinnt der Lebenskundliche Unterricht (LKU) als Teil der Gesamterziehung der Soldatinnen und Soldaten und als übertragene Sonderaufgabe für die Militärseelsorge zusätzlich an Bedeutung.“

„Mit der wachsenden Bedeutung des Lebenskundlichen Unterrichtes ist den Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorgern eine wichtige Aufgabe übertragen worden. Sie leisten mithin,“ so fasst das Zentrum Militärbischof Mixa zusammen, „einen wertvollen und wichtigen Beitrag in der als verpflichtend eingerichteten ethischen Berufsqualifikation. Diese in ihren Aufgaben und ihrem Engagement zu stärken und zu qualifizieren“, zähle „zum Aufgabenprofil des Ethikzentrums“ (welches am „Hamburger Institut für Theologie und Frieden“ – ithf – angesiedelt“ sei).

Denn „für den „Staatsbürger in Uniform“, (Zit. ZEBIS) „sind Lebens- und Weltverantwortung und die besondere militärische Verantwortung nicht zu trennen.
Ethische Orientierung ist insbesondere in Zeiten gesellschaftlichen Wandels und sinkender Konfessionsgebundenheit unverzichtbar.“

Bläut gleich der Bundeswehr die Katholische Kirche Ethik ein?

Die Rede des „verhinderten Sprecher(s) des 13. Beirates für Fragen der Inneren Führung, dem Dresdener Professor Dr. Rainer Pommerin“, wurde auf dem Festakt verlesen: „Er erinnerte daran, dass junge Staatsbürger in Uniform in einer gesellschaftlichen Umgebung aufwachsen, „in der das Handeln des Einzelnen sich zugegebenermaßen häufig keineswegs als ethisch verankert erweist und sich zudem, besonders im Osten Deutschlands, immer weniger Menschen des Rückhaltes einer religiösen Erziehung und religiösen Bindung erfreuen.““

Veronika Bock – die Direktoren des neuen Zentrums – in einem Interview im Deutschlandfunk (14.04.2010 Sendung: „Tag für Tag“ 09:36; Beitrag: S. Kleyboldt: „ZEBIS – Neues ethisches Rüstzentrum für die Bundeswehr“): „Ich denke, dass die Herausforderungen, die auf die Streitkräfte jetzt zukommen, verschärft ganz neue ethische Fragen aufwerfen, und dass die christliche Sozialethik durch ihre lange Tradition auch innerhalb der politischen Ethik und der Friedensethik hier wirklich auch Antworten geben kann und ein anspruchsvoller Gesprächspartner sein kann.“

Christliche Sozialethik (hätte die Jesus Christus so genannt?) und Friedensethik? Für Soldaten? „Die andere Wange hinhalten“? Im Krieg? „Bescheidenheit“. „Genügsamkeit“.“Wer von Euch ohne Sünde ist…“

Kryptisch, die Aussagen des Militär-Bischofs, nach dem Bericht über die Feier auf der Webseite des Zebis: „Mit Blick auf das Konzept der Inneren Führung“, für das der Bischof insbesonders gerade durch „die zunehmende Bedeutung der Auslandseinsätze die damit verbundenen Anforderungen an die Interoperabilität in multinationalen Einsätzen und Verbänden () Gefahr ihrer Nivellierung“ laufe. Die ethische Bildung sei aber „mehr als ein rein kognitiver Vorgang und zugleich Gewissensbildung und verbunden mit der Entwicklung lebenspraktisch wirksamer Werthaltung.“
Gewissen vs. Selbsterhaltungstrieb? An anderer Stelle wird er deutlicher (Deutschlandfunk, wie oben):
„Es geht hier nicht um eine religiöse Vermittlung, sondern es geht hier vor allen Dingen darum, dass Menschen wissen, wer sie wirklich sind – von ihrer Haltung her, von ihren Fähigkeiten und Eigenschaften, und welche Verantwortung sie in ihrer Position gegenüber dem Nächsten haben.“

„Wer sie sind – von ihrer Haltung her“? Nach „Fähigkeiten und Eigenschaften“? Vor Gott sind doch alle gleich? „Verantwortung ihrer Position“? Was kann ein Wachposten in Afghanistan unter Verantwortung in seiner Position anderes als an seine Kameraden denken? Darf der Nächste so eng verstanden werden?
Aber sind das religiöse – christliche – Werte? Was macht das christliches Dingsbums dann aus der Rede der Direktorin vorhin – wenn nicht „religiöse Vermittlung“? Gewissensbereinigte Befehlsempfänger?
Das wäre im – Wie? – „Aufgabenprofil“ – der Katholischen Kirche keine Neuerung! In den Gebieten, wo die ostdeutschen Soldaten herkommen, lernte man das bis vor 20 Jahren noch in der Schule; dass die Popen ihren Segen gaben, als „Hitler“ das deutsche Volk und die halbe Welt in den Ruin ritt…

Guttenberg braucht sie nicht: Lebenskunde. Er kennt die Erfordernisse an seine Position. Er werde Deutschlands Engagement in Afghanistan noch verstärken, versprach er seinem Besucher Mc. Crystall gestern. Der dankte ihm und „den Partner von entscheidender Bedeutung in einer ernstbleibenden Lage“ – Deutschland – und versprach ein „kritischen Jahr“ – 2010, in Afghanistan…

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