Der Mai hat aufgehört

Da geht er hin, der „Wonnemonat“.
Ganz unwonniglich läßt er uns zurück.

Nun, der Begriff ist in seiner Herkunft ohnehin umstritten; vielleicht ging er ein, als in den Sechzigern ein frohes, hoffnungsvolles Treiben des Volkes dem Staate in den Kram passte? „Karl der Große“, aus dessen Mund „Wonnemonat Mai“ angeblich zum ersten Mal gekommen sein soll, war ja nicht des Geistes gewesen, dass sich konstruktive Gefühle ungefälscht der Nachwelt überliefert hätten.

Wonniglich friedlich war es im Monat Mai – relativ zu anderen Monaten freilich nur und nur entgegen unseren Befürchtungen vielleicht. Als musste der Faschismus, der uns droht zu überziehen, Atem holen; Vorbereitungen treffen – tagen hinter Polizeimauern, Manöver abhalten im Schutze rechnergestützter „Aschewolken“

Im Golf von Mexico kriecht die Hungerpest für tausende Menschen an Land, und um Korea herum tut sich Bedrohlich-Verschwörerisches;
Israel hat gestern eine Freistellung von atomaren Beschränkungen von den USA. erhalten (zu lesen etwa hier), also auch kein Grund, dem Mai wenigstens wegen seines Abschlusses über weltweite Konventionen für Atomwaffen zu preisen. Heute hat Israel eine internationale Flotte in internationalen Gewässern vor Gaza mit 10.000 Tonnen Hilfsgütern für Palästina angegriffen und 20 Menschen getötet (dazu z.B. hier).

Aber diese Probleme werden aufgrund ihrer räumlichen Entfernung wohl weniger wahrgenommen, als Deutschlands Teenager-Charme beispielsweise.
„Hindukusch“ klingt ja bereits nach „Vor der Haustür“, und die Wahrheit über die Lüge kostet da dann schnell dem obersten Deutschen das Amt.

Wir wollen mit Wonnemonat Mai wonnigliche Außentemperaturen verbinden. In den Parks lebenshungrige Mädchen stellen, die kurze Gartensaison nutzen, spazierengehen in unserer unverdienten, aber unverschuldeten Freizeit; wir sind vor allem des Winters müde und sprühen vor frühlingshaften Erwartungen; wir sind der Entwicklung in unserem Land völlig abgeneigt, und bei langem Grübeln türmen sich vor unseren Zukunft unerklimmbare Berge auf – wir brauchen einen zweistündigen Gang durch grüne, sonnenbeschienene Unschuld, und wir ticken wieder.

Er war der nasseste, der kälteste, der trübste und er war der dunkelste Mai – das wussten heute unzählige Medien. Sicher war nur nicht die Zeitmarke – hundertzwanzig oder zwanzig Jahre zurück. Manche fabulierten dennoch eine „durchschnittliche Temperatur über den normalel Mittelwert für Frühling“ herbei, aber wir kennen die Weise und erahnen die Verfassser hinter den Verfassern; eine große Zeitung musste online gar die Kommentarespalte auf einen maiwetterbezüglichen Artikel unzugänglich machen; das Thema Wetter hat immer Brisanz und erregt die Gemüter nach wie vor.

Ganz anders wohl, als von seinen neuen Machern beabsichtigt? „Neue Macher“ – das sind die, die dort oben was immer auch versprühen, unter welchem Vorwand auch immer – die Träumer, würden manche sagen, die die zunehmende Vergrauung unseres Himmels auch beobachten – Träumer von einer besseren (klimastabilen) Welt; die Verbrecher, die auch unter diesem, viel zu lange verheimlichten Vorwand wieder nur an der Reduktion der Erdbevölkerung arbeiten – nennen wir die, die wir sie schon länger beobachten.

Unter Hobbygärtnern im Internet herrscht Verwunderung. Nichts verhält sich wie gewohnt, es ist die fehlende Wärme, vermuten einige nur, es ist, als wäre falsches Licht, können sich andere nicht helfen; beobachten gesunkene Keimraten, extrem verzögertes Wachstum anfälliger, kraftloser Pflänzchen; einen verfrühten Trieb zum Blühen, Fruchtmachen; prompt kommen auch schon erste Meldungen von Irregularien auf den Kornfeldern, wo das Brot für morgen wachsen soll. „Notreife“ – diagnostiziert man dort kopfschüttelnd.

Mütter, deren Frucht unter Sonnenmangel heranreift, bringen krankheitsanfällige Babys zu Welt, im Allgemeinen hat Sonnenlicht zumindest einen anerkannten Segen – seinen fast konkurrenzlosen Gehalt an Vitamin D (zu lesen u.a. hier), einem schier lebenswichtigen Stoff.

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