„Stammtischsprüche seitenlang?“ – wenn das nicht eine Verhöhnung der Stammtische wäre

Kauft nicht bei Sarrazin!

Ich weiß schon, Herr Sarrazin, seit meinem letzten Offenen Brief an Sie, dass ich im Internet keine E-Mail-Adresse von Ihnen finden werde – was mich nun dennoch nicht hindern soll, mich wieder mit Ihnen (völlig unverhältnismäßig angesichts der Fülle ernstzunehmender Themen – da geb ich Ihnen recht) zu beschäftigen; dabei hab ich auch die Vorstellung, Sie werden spitzbübisch alles beobachten, was auf Ihren letzten Streich nun so reagiert und über-reagiert wird); und wenn Sie es nicht lesen, lesen es andere – etwas in der Art wie Mobbing wenigstens, Sie verstehen? Doch, S i e verstehen: Das sich Stürzen in der Meute auf Mitmenschen, von denen man wenig Gegenwehr zu erwarten hat, um sich auf dessen Kosten zu profilieren. Nur in der Art freilich, zwar ahne ich nach den Verlautbahrungen gegen Sie die Meute mit mir, weiß auch von ihrer Wehrlosigkeit – die wird Thema meiner unverhältnismäßen Widerbeschäftigung mit Ihnen – hier aber ein Fall von, wenn Sie so wollen, Mobbing – gegen einen vermeintlich Stärkeren, Überflieger oder gar Unangreifbaren – und da ist ein Kampf mit gleichen Waffen schon legitim?

Aber zum Thema und ihrer Wehrlosigkeit in geistigen Dingen (auch der Grund, warum ich mich um eine Anrede Doktor drücke – um die Promovierten insgesamt nicht in missliches Licht zu rücken). Wer wie Sie immer mal wieder an der falschen Stelle auf die Pauke haut, dass das gutmenschliche Publikum erstarrt und sogar das Orchester kurz stockt und aufschaut und Gutmenschlichkeitsheuchelndes zum Vortrage bringt  (das ist Ihnen zumindest gelungen – wird aber hierzulande jedem Hanswurst gelingen), wer also so „von sich Reden macht“ wie Sie – sollte der nicht mehr zu bieten haben als platte Texte für imaginäre Stammtischrunden? (Glauben Sie mir, als wirklichem Stammtischbesucher: Die Ansagen dort sind längst nicht so platt, wie sie Ihre Regie vorsieht). Sollte der nicht wenigstens „etwas geleistet“ haben, einen nachweisbaren Nutzen gebracht, wie Sie den ja nun von anderen auch fordern, oder wenigstens der Liebe und dem Frieden gedient haben?
Denn sehen Sie zum Beispiel das, womit man Sie in Verbindung bringt – „Bankenwesen, irgendwie“. Würde ein einziger türkischer Lebensmittelhändler seinen Laden so führen wie Sie den Ihrigen – er müsste sich die Verfehlung seines Berufes attestieren, und hätte sicher nochdazu Grund gehabt, diesen an einen Nagel zu hängen; Ihr „Bankenwesen“ geht derweil bald bautz, und betrieben solches, um beim Beispiel zu bleiben, Lebensmittelhändler – sie wären gar eine Gefahr für die Menschheit;

Ich nehme einmal an, aufgrund Ihrer Stellung, Sie sind im Salonleben verblieben – sorgen hier vielleicht nach dem fünften Whisky oder „Goldwasser“ für einen tolerablen Eklat, weil Sie sich im Ton oder Dekoltees vergreifen oder beim Dinner einen Rülpser lassen – bei Menschen wie Ihnen wird das zwanghaft sein – fühlen sich hier aber gut aufgehoben un verstanden. Sie haben sich nie im normalen Leben befunden – worauf sich wohl Ihr irriges Gefühl für Stärke und Macht und Fliegenkönnen begründen mag – und das lässt sie eine völlig eingeschränkte Vorstellung von diesem haben. Mal ehrlich – wo sie hofieren und domizilieren – „richtige Türken und Moslems“ laufen doch dort höchstens im Fernseher? Die Famlie des ausländischen Gemüsehändler hier in meiner Stadt zum Beispiel haben Sprühungen mit Androhung physischen Niedergangs Ihrer geldmächtigten Kollegen von ihrer vietnamesischen Ackerscholle in die dann übervollen und verarmten Städte vertrieben, und Schlitzohren in meiner Regierung haben ihn in die DDR gelockt mit billigen Versprechungen und noch viel billigeren Geld; da war er eben, als, wiederum Ihre Kollegen, das Land für einen Appel und ein Ei übernahmen; Ihre „Türken“ – ich bin kein Freund davon, den Menschen nach seinem Nutzwert zu beurteilen, ihrer Begriffswelt mit dem Termini „Humankapital“ mag dies aber entgegenkommen – der Türke, der sie so nervt, dass Sie sich so vergessen – hat es wohl erst möglich gemacht, dass Sie auf einen, vermeintlich Ihren, Geldhaufen sitzen, von wo Sie nun gern die Pauke schlagen!
Nun wollen Sie das auch noch in eine Buchform bringen – von Ihnen erscheint heute ein B u c  h ! Viel mehr als schlechtverhüllte Selbstvergessenheit kann ich mir zwischen den Deckeln nicht denken! Was ich aber gelesen hab dazu, lässt mich wieder zurückkommen auf Ihre geistige Schwäche; das Handelsblatt wollte wohl auf Ihr Trittbrett steigen und auch die Pauke rühren; unglücklicherweise haben die eine Aussage zur Überschrift gewählt, die sie Ihnen in den Mund legen, und die, falls das keine bösartige Verdrehung war, Ihre ganze geistige Unbedarftheit nun schon vorher in die Welt posaunt. Sie werden dort aus „Welt am Sonntag“ zitiert mit genetischen Reinheitsgedanken zum europäischen „Genpool“, die wohl Ihren Plattheiten ein wissenschaftliche Krone aufsetzen sollen, und auch hier erscheint dann im Text wieder Ihre Aussage, die handelsblatt in die Titelzeile bracht: „Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen…“ Herr Sarazzin: Im reifen Alter zu glauben, dass eine religiöse Überzeugung einen Abdruck in der Genstruktur hinterlässt – wo hat man da promoviert? Oder meinten Sie lediglich: (Auch) Juden haben ein Gen (und nicht nur eins)?

Sie sehen, weit ist uns mit Ihren „Gedanken“ und wohl auch mit ihren Büchern nicht geholfen. Sie richten mehr Schaden an – wie ich Ihnene das auch schon letztens nahebringen wollte, und da mein ich nicht nur die nutzlose Papierwerdung unschuldiger Bäume; sie bringen uns von den wahren Problemen des Alltags ab, säen Unfrieden unter uns, die ohnehin nicht viel Frieden haben – sei es vor Verfolgung, Missionierung, Existenzangst oder Ihren verehrten Kollegen – seien wir „Deutsche“, Türken oder Mosleme. Sie sehen aber zumindest: Kein Grund für Sie besteht, sich aufzuspielen?

p. s. Denken Sie doch nochmal über die Gene nach; es könnte zu einer Lösung Ihres Problems führen…

Unten ein Link zu einer Sendung des Deutschlandfunks – leider nur noch im Internet zu bekommen – der meine obiges Schenkelklopfen über Ihren Glaubens verteidigt – überhaupt an die langen vergeblichen Bemühungen zum Finden eines „jüdischen Gens“ erinnert;
Deutschlandfunk 14.04.2010 09:53; Sendung: Tag für Tag „Wenn das „jüdische Gen“ nicht aufspürbar ist“; Jutta Schwenksbür im Gespräch mit dem jüdischen Historikers Shlomo Sand
anhören oder den Beitrag downloaden als mp3
…………………
Update
02.09.2010 13:17 Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.
„Die genetischen Thesen von Herrn Sarrazin sind nicht mit den modernen Erkenntnissen zur Evolutionsbiologie des Menschen vereinbar.“ ganzer Text dort

– weitere Stimmen: 30.8. 2010 auf „ceiberweiber“ – Alexandra Bader: Die Gene des Herrn Sarrazin

Update 26. September 2010
„…Worauf Sarrazin mit seinem Buch abzielt, lässt sich auf Seite 93 lesen. Dort schreibt er, dass die evangelische Kirche seit der Reformation „die intelligentesten Knaben für die geistliche Laufbahn ausgewählt“ habe. Da „evangelische Pfarrersfamilien traditionell sehr kinderreich“ gewesen seien, habe sich diese Auslese darin niedergeschlagen, dass ein Pool von besonders intelligenten Menschen gezüchtet worden sei, aus dem sich „ein erstaunlich großer Teil der deutschen wissenschaftlichen Elite“ rekrutiert habe, während die katholische Kirche durch den Zölibat die Vermehrung der Intelligenzgene verhindert habe.
Abgesehen davon, dass diese Behauptungen (wieder einmal) nicht belegt und im übrigen auch falsch sind (nicht die evangelische Kirche hat Knaben ausgewählt, sondern häufig wurden die drittgeborenen Knaben von ihren Eltern in die geistliche Laufbahn entsandt), legt diese Passage Sarrazins Vorstellung von einem idealen Deutschland offen: Ein totalitäres System, das Menschen mit ihren Erbanlagen so züchtet, wie dies Hunde- und Pferdezüchter tun. Das nennt sich „Eugenik“ – der Erfinder dieses Begriffs, Francis Galton, wird von Sarrazin hoch gelobt (S. 92f.) – oder auf deutsch „Rassenhygiene“ und diente zur Zeit des Nationalsozialismus zur Rechtfertigung von Zwangssterilisierungen, Euthanasie und Völkermord.“ – da hat einer (Prof. Dr. Volker Eichener, Rektor der EBZ Business School – University of Applied Sciences) wahrhaftig dieses Zeug gelesen und selbst die Mühe einer Analyse nicht gescheut; hier seine komplette Ausführung: http://www.rohmert-medien.de/immobilienbrief/analyse-die-seltsamen-methoden-des-thilo-sarrazin,108286.html

Veröffentlicht in Augenblick. Leave a Comment »

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s