Wenn ich demonstriere, dann übe ich ein Grundrecht aus, dann lasse ich mich nicht anfassen – von niemandem

(Zit. in Überschrift: Heiner Geißler, 2007)

Er war einer der Lieblingsköpfe für Karl-Eduard von Schnitzler – dem Moderator von Der Schwarze Kanal, montagabends, im Ostfernsehen (DDR I) – für personifizierten Imperialismus und „Klassenfeind“. Der Name Heiner Geißler war damit in meinem „Weltwissen“ in einer ganz anderen Nische verblieben als die, aus der er in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts für mich wieder zulichte trat.
So war mir mit dem CDU-Politiker Geißler fortan ein hinreichend prominentes Beispiel der Jetztzeit dafür gegeben, dass sich selbst aus jahrzehnte treu dem Regime ergebenen Menschen der vereinende, solidarische Gedanke doch noch hervorkämpfen kann – und dann auch nicht trotzig abgewehrt, bekämpft werden muss;
letztendlich eintreten muss –  bei verbliebener Fähigkeit zur Geistestätigkeit. Der Mensch, mancher spät, „zu Gott zu finden“ strebt.

Doch nimmt mir das nicht Bauchschmerzen bei Geißler als Vermittler in einer so hoffnungsvollen Sache, wie sie gerade in Stuttgart beginnt. Seine Meinung vom Volk kann nicht die Augenhöhe zulassen, auf die er sich fairerweise gegenüber allen Beteiligten zu begeben hätte – wenn man nicht gar „Unparteilichkeit“ verlangte. Dem Geist des Volkes traut er nicht; er glaubt an die (hier: geistige)  Elite (in einem Interview gegenüber ZEITonline).

Dass gerade Rambo ihn vorschlug, mag ihn in ein ungerechtfertigt schlechtes Licht rücken.

Dass er nichts so zum Kopfschütteln findet wie Polizisten, die dem Bürger dessen Recht auf Demonstrationen beschneiden wollen, und Handgreiflichkeiten mit Handgreiflichkeiten in diesem Fall zu vergelten verspricht, lässt selbst Parteifreunde seinen Ausschluss fordern (Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft NRW, CDU…in focus.online 2007) und verspricht so genau die richtige Einstellung gegen das Polizeistaatsmodell der herrschenden Politik, vom offensichtlichem Bezug zu „heute“, respektive Tränen(gas)donnerstag, letzte Woche, gar nicht geredet?

Heiner Geißler hat seine Bedingung genannt, unter der er den Job annimmt: Keine Bedingungen! (in Spiegel.online, 6. 10)
Wie soll Einigungen vorbereitet werden, wenn hinterm Rücken der einen Verhandlungsseite die Sache zu Ende geführt wird, gegen sie diese eigentlich angetreten ist? Verbaut sich Geißler da zuallererst die besten Chancen, nicht als der Manager einer Hinhaltetaktik vorverurteilt zu sein? Oder kann dem „alten Esel“ unter keinen Umständen mehr ins Hirn kommen, dass selbst die auf Händen getragenen Gesetze, unter denen eine Fortsetzung des Abrisses und Neubaus am Stuttgarter Hauptbahnhof „unverhandelbar“ wären, nicht  der Weisheit letzter Schluss sein müssen?

Geißlers Alter und Vita müssen auf jeden Fall der Betrachtung Denkraum lassen, dass der Mann wohl mit vielen Wassern gewaschen sein kann.

Nun, ich streite im Geiste mit den und vertraue auf „die Stuttgarter“ und den Erfolg ihrer Sache – die so gut ein Symbol unserer allen geworden ist; wünsche Ihnen Kraft am Verhandlungstisch, eine gute Übersicht, ausreichend Überzeugungskraft, und eine „Unbeeindruckbarkeit“, wie ich sie am schönsten bei Bob Dylan hörte:

Well I’ve been to the mountain and I’ve been in the wind
I’ve been in and out of happiness
I have dined with kings, I’ve been offered wings
And I’ve never been too impressed.

Lassen Sie es uns wissen, wenn Sie Hilfe brauchen; wir sind eine starke Gemeinschaft!
………………………………………………..
gerade gefunden, swr, 6. 10.:
„Er habe versucht, Jugendlichen zu helfen, die vom Strahl des Wasserwerfers weggefegt worden waren. Deshalb habe er die Arme hochgerissen und den Polizisten gewunken, um ihnen zu bedeuten, sie sollten aufhören. Dann traf ihn selbst der Wasserstrahl direkt ins Gesicht – so massiv, dass der 66-Jährige ohnmächtig wurde. „Es fühlte sich an wie der Schlag von einem Riesenboxer“…>weiterlesen?

Update 7. 10. 19:00 h, süddeutsche.de
Heiner Geißler stoppt die Bagger: „Die Protestbewegung feiert einen Etappensieg: Während der Vermittlungsgespräche zu Stuttgart 21 ruhen die Bauarbeiten am Bahnhof. Schlichter Geißler betont, die Gespräche müssten „ergebnisoffen“ geführt werden – und schließt einen Ende des Bauprojektes nicht aus…>weiterlesen?

7. 10. 21:00, Deutsche Welle – Radio, Nachrichten: Verwirrung um möglichen Baustopp für „Stuttgart 21“
meldet, derweil hätte die baden-württembergische Landesregierung und die Deutsche Bahn dementiert, es hätte Vereinbarungen über einen Baustopp gegeben; Geißler bliebe derweil bei seiner Aussage…>lesen?

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