Scheuen des Tages‘ Licht

– mit Volldampf unter die Erde

Man muss sich schon fragen, worum es bei Stuttgart 21 noch so gehen mag – neben der seit vielen Jahren von allen Regierungskoalitionen betriebenen und damit längst tolerierten Geißelung der Bevölkerung und ihres Vermögens zugunsten ausschließlich am Verdienen interessierter, asozialer Kreise und der Gefahr durch das endlich, endlich erwachende Misstrauen im Volke gegenüber den Machenschaften der „Politik“ für den Machterhalt seiner derzeitigen Köpfe.
Für-Worte, die einen Segen oder die Chance für Stuttgart und seine Menschen glaubhaft vermitteln wollten, mussten aufgrund zahlreicher Gegengutachten und zuletzt durch die Demonstrationen der Vorstellung der „Menschen“ selbst innerhalb weniger Wochen verstummen, und heute bleibt den einstigen Einschmeichlern nur noch das medienunschöne Pochen mit der Faust auf den Tisch: „Die Verträge sind gemacht“ – an deren Einhaltung gar solle sich nun, erstmals, wie wir ahnen, Demokratie in Deutschland messen lassen.
Man riecht bei solchen Vorstellungen förmlich den Mief aus den Reihen der Strippenzieher der welteit operierenden Konzerne, aber musste „Politik“ der neuen, modernen, demokratischen Gesellschaft jemals so weit gehen, sich öffentlich derart entblößen zu lassen?

Dabei ist „S21“ längst nicht mehr auf eine Bekundung verirrten Geschmacks, mangelndem Nachhaltigkeits- oder Folgegenerationendenken der verwöhnten Bürger einer wohlhabenden Stadt herunterredbar. „S21“ ist schon heute ein Symbol für den Mitentscheidungswillen künftiger Generationen geworden, und offeriert bereits jetzt seine Lehre für künftige Politiker: Wenn den Bürgern – wir wollen sie vorerst so nennen, denn noch bürgen sie, wir ahnen erst, mit welchen Folgen, für die Fehltrittler in der „Politik“ – wenn den Bürgern Politik verständlich ist, wollen sie mitregieren. (Pech vielleicht für die Lobby hinter der Vergewaltigung Stuttgarts, dass einige wenige doch noch etwas von Bahnhof und Lebenskultur verstanden.) Sollte selbst Stuttgart 21 gegen den Willen des Volkes durchgepeitscht werden, würde es für die Politiker unseres Landes nie wieder so einfach werden wie vorher, das Volk in seinem Namen und mit seiner gutmenschlichen Mitarbeit für die Interessen weit über unseren Politikmarionetten lachenden „Global Players“.

Wie sie sich in den Bahnhof verbeißen, wie sie ihn bereits auf ihren „politischen“ Fortbestand abfärben sehen, lässt sich links und rechts (nur „in Himmelsrichtung“ unterschieden) der Dämmerungslinie beobachten; zum gewohnten eisenhändigen Basta aus der Führungsclique ein augenreibend erwachendes Volksbesäuseln aus der „Opposition“. Das Volk von Stuttgart hat den Braten aber schon gerochen. Und ahnt schon, oder weiß noch, dass wahre Demokratie sich möglichst selbst führt.
Vielleicht unabhängig vom Protest gegen Stuttgart 21 wurde gestern eine Änderung des Polizeigesetzes auf die Wege gebracht. Eine Zunahme der Gewalt gegen die Polizei war in den vergangenen Jahren konstatiert worden; die Höchsstrafe bei Widerstands gegen Polizisten soll nun erhöht werden, und für besondere Fälle soll sie dann bei 5 Jahren liegen – wenn z. B. „gefährliche Werkzeuge“ mitgeführt werden, „Baseballschläger“ oder „Pflastersteine“ werden genannt;  wie wenig kompetent im Erkennen von Gefahr da die Polizeiführung allerdings ist, zeigte zuletzt wieder ihre Annahme über die Vorfälle am 30. September in Stuttgart.

Es müssen Fakten geschaffen werden in Stutttgart, die ein Zurück unmöglich machen; es wird „Transparenz“ auf die Agenda der Umbauer rücken, und das wird dem gewohnten Durchwinken von Projekten einige Energie abzapfen – aber einem Neubeginn der Beurteilung von Sinn oder Unsinn S 21, oder einen Bürgerentscheid gar, darf es auf gar keinem Fall geben; das führte nicht nur zum Fortbestand eines alten Bahnhofs – es würde all diese Untreue der jeweils tonangebenden Parteien offenbar machen, ihre Verstrickungen gegen ihr Volk offenlegen, die Kanäle, über die weltweit überall am verwöhnten Stuttgarter Bürgen, aber mit Sicherheit nicht nur dort, gesaugt wird – zu seinem Wohl, für seine Enkel oder Region!

So, wie die auch diese Untreue besser nicht ans Licht käme, scheint gleichwohl das ganze Projekt unterirdisch angesiedelt die beste Lösung gegen Zügestau zu sein.
Hätten die Milliarden nicht aber auch in ein ebenerdiges Projekt verschwunden gemacht werden können? Der Bahnhof sollte ein Bahnhof bleiben – der bei Bauabschluss entstehenden Einschränkungen ungeachtet?
Ich komme wegen eines dummes Gefühls angesichts dieses Durchpeitschens des, schon dem Laien verständlich: logistikbeschneidenden Drängens unter die Erde, hierher, ermutigt von der Wortmeldung eines blogers, den das angeblich alternativlose Vergraben des „Neuen Bahnhofs“ in Stuttgart, Deutschland, an die ominöse Flughafenanlage in Denver, USA, erinnert.

Morgen sollen nun die Schlichtung beginnen. Mit der proklamierten „unaufschiebbaren“ Entwässerung hat eine Seite bereits ihre Befangenheit kundgetan. Ich wünsche den Stuttgarter Bürgern in diesem scheinbar ungleichen Kampf – rohes Geschäftsinteresse gegen Mitbestimmung – viel Erfolg. Eine erwachende Republik schaut auf Euch – und ihrer Sympathien könnt ihr Euch gewiss sein!
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weitere Wortmeldungen:
Kopfschütteln über die Gewalt gegen den Protest in Österreich (ceiberweiber.at): „Die Fernsehbilder aus Deutschland machen fassungslos, auch die Postings bei Twitter (unter dem Tag #s21) und die Webcams der alternativen Öffentlichkeit. Ein Milliardenprojekt, das nach Berichten – und zwar nicht der GegnerInnen, sondern von Financial Times Deutschland, stern oder Spiegel – absolut sinnlos ist, soll mit aller Härte und Staatsmacht durchgezogen werden…“ > weiterlesen (sehr informativ!)?

Erhellendes über die Gegner der Gegner aus der Schweiz (blog „Alles Schall und Rauch“): „Mit PR-Offensive gegen die S21-Gegner: Wer die Tweets zum Thema S21 beobachtet, dem ist in den letzten Tagen ein Tweeter aufgefallen der „PR-Spezialist“ heisst. Dort werden ziemlich unverschämte und beleidigende Botschaften gegen die S21-Gegner veröffentlicht. Wer verbirgt sich hinter diesem Tweeter-Namen? Es ist eine PR-Agentur die sich rühmt besonders gute PR-Offensiven zu machen. Vom wem haben sie den Auftrag, Gegenpropaganda zu machen…“ > weiterlesen?

„Radio Utopie“, 12. 10. : „30. September Polizei-Prügeleinheit attackierte zuvor in Zivil Schüler…“ > lesen?

Karl Weiss – Journalismus. „Stuttgart 21: Glasklare Beweise für geplante Übergriffe – Der ‘blutige Donnerstag’ war Absicht. Nun liegen glasklare Beweise vor: Merkel und Mappus, die ihr politisches Schicksal an „Stuttgart21“ gebunden hatten, haben wirklich den „blutigen Donnerstag“, wie dort inzwischen der 30. 9. 2010 genannt wird, genau so gewollt. Es ist bewiesen: Es gab keinerlei Provokationen oder Angriffe durch die Demonstranten…“ > weiterlesen?

Auch bei den Trittbrettfahrern bläst der scharfe Gegenwind Spreu aus (n-tv, 10. 10.): „Grüne wollen U-Ausschuss…“ > weiterlesen? und („Radio Utopie“, „Stuttgart 21 – Parkschützer stellen SPD-Anfrage zum Polizeieinsatz ins Netz“, 13. 10. ): „Trotz alledem verweigerte die SPD Baden-Württemberg im Landtag einen von Bündnis 90/Die Grünen verlangten parlamentarischen Untersuchungsausschuss…“ > lesen? Auch die „Anfrage“?

Videobilder, die die Unverhältnismäßigkeit des Polizeieinsatzes belegen: > Mit Wasserwerfern, Reizgas und Knüppeln und > Sadistische Lust am Prügeln bei Beamten des SEK.

Dass „Polizei“ auch keine homogene Masse ist, kann, muss die Chance für dieses Land sein („Hessischer Rundfunk online“, 13. 10.): „Ärger um „geheime“ Akten – Neue Mobbingvorwürfe bei Polizei. Sollen in Hessen unliebsame Polizisten mit fragwürdigen Gutachten aus dem Dienst gedrängt werden? Davon sind einige Beamte überzeugt und verlangen Auskunft über „Geheim-Akten“, die über sie angelegt sein sollen…“ > weiterlesen?

Der S-21-Protest „nur“ der Auslöser für weitere Besinnung?
Wie auf der Strasse, so auch auf der Schiene? (Der Tagesspiegel, 12. 10.): „29 Korruptionsverfahren gegen Bundesbedienstete – Bestechlichkeit, Betrug, Untreue: Ein Bericht des Innenministeriums listet 29 Verfahren gegen Bundesbedienstete für das vergangene Jahr auf. Besonders im Blickpunkt ist der Fernstraßenbau…“ > weiterlesen?
(„Radio Utopie“, 08. 10.): „Umweltverbände klagen gegen 80 Millionen teures Strassenbauvorhaben auf Rügen…“ > weiterlesen?

Berlin: „Stuttgart als (regelrecht beneidetes, wenn Sie den Beitrag hören) Vorbild für Berliner Flughafengegner? – „Eine höchstdemokratische Streitkultur“ Bericht des Deutschlandfunks, „DLF-Magazin“ 14. 10., 19:25 h

Heute,  Badische Zeitung: „Wie Stuttgart die Menschen im Netz mobilisiert“.

Hamburger Abendblatt: „„Es wird keine Regierung mehr geben, die ein solches Projekt in dieser Weise durchzieht“, sagte Geißler der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Die Politik wird gezwungen sein, nicht nur die technologischen und ökonomischen Vorteile zu sehen, sondern auch die Auswirkungen auf die Menschen zu berücksichtigen“, fügte der CDU-Politiker hinzu. Unabhängig davon, ob ihm eine Schlichtung gelinge, sehe die Welt „nach Stuttgart 21 auf jeden Fall anders aus als vorher…“ > selber lesen?

Es wäre alles andere als vefrüht; viel Erfolg morgen und allezeit!

Update 20: 15 h  Ausflugsziel für kurzentschlossene Stuttgarter: “

Kunstnacht und Dialog am Bauzaun

Von Parkschuetzer Heute, Donnerstag, den 14. Oktober 2010 um 20.30 Uhr, Treffpunkt: Nordausgang“
Gemeldet von „Radio Utopie“

Eine Antwort to “Scheuen des Tages‘ Licht”

  1. ebook leser Says:

    Jetzt schaltet sich auch schon die EU ein und sagt angeblich, dass das Projekt unverzichtbar ist. Ministerpräsident Stefan Mappus nannte die Auseinandersetzung um das Bauprojekt vor ein paar Tagen einen Richtungsentscheid für Deutschland. Trotz Vermittler und ähnliche Zeitgewinnaktionen frage ich mich immer noch. Wenn das Volk der oberste Souverän ist, warum machen die nicht einfach eine Abstimmung des Volkes und akzeptieren dann diese Entscheidung?


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