Mammonschanz

„Die Demokratie“ macht Kasse

Es mag für manchen arglosen Zeitgenossen nur wie die vorrübergehenden Belastung klingen, die schon ein hier bekanntes „Sprichwort“ freundschaftlicher Beziehung prophezeit, sollte es eimal „um Geld“ gehen – und mag im anschwellenden Konzert der undifferenzierten Schuldzuweisungen und starken Unterstellungen wenig oder lediglich amüsiertes Publikum gefunden haben – wir sehen in den Vorfällen vom Wochenende eine weiteren Erfolgsbeweis für die Anstrengungen aller möglichen „Führungseliten“, die wir auch im letzten Artikel behandelten: eine Politik zu betreiben, die nicht nur am Volk vorbei, sondern geradezu auf seine Vernichtung hinauslaufen muss.

Am Sonntag schrieb (z. B.) „Hamburger Abendblatt“ online vor einem dieser unzähligen Eurorettungsgipfel:
„Die Debatte über ein zweites Hilfspakets für Griechenland wird härter: Angesichts wachsender Zweifel an der Reformfähigkeit des hoch verschuldeten Landes dringt die Bundesregierung darauf, dass die Politik der Regierung in Athen im Gegenzug für weitere Finanzhilfen notfalls unter internationale Kontrolle gestellt wird, und zitiert Deutschlands Wirtschaftsminister gegenüber „Bild“: „Wir brauchen bei der Umsetzung des Reformkurses mehr Führung und Überwachung () Wenn dies den Griechen nicht selbst gelingt, müssen Führung und Überwachung stärke(r) von außen kommen, zum Beispiel durch die EU.“
Aus „Berliner Regierungskreisen“ wisse man, „dass Deutschland die Idee eines Sparkommissars oder eines Vetorechts gegen einen nationalen Haushalt in die Debatte auf EU-Ebene eingebracht hatte“, oder, kurz und knapp „Der Tagespiegel“ am Montag: „Aus Berlin war am Wochenende der Vorschlag gekommen, dem völlig überschuldeten Griechenland die Hoheit über seine Haushaltspolitik zu entziehen und einem EU-Kontrolleur zu übertragen“.

Ob Athen nun lediglich etwas undiplomatisch vom eigenen Fehlern der letzten Zeit ablenken will, wenn es als Reaktion auf den Vorschlag Berlins das wohl allseits bis ins Unterbewußtsein der Völker eingebrannte Symbol für Fremdherrschaft, Völkermord, Zerstörung, Chauvinismus und selbstverherrlichenden Rassismus bemüht, oder Merkel einen Tag später vor der  Presse diesen Vorschlag nicht mehr vertritt, sich stattdessen um „Schadensbegrenzung (be)müht“, wie  „Der Tagesspiegel“ meint, wenn er sie folgend zitiert: „Ich glaube, dass wir eine Diskussion führen, die wir nicht führen sollten.“ – in Griechenland funktioniert vielleicht auch aus geschichtlicher Prägung das Erinnerungsvermögen noch besser als auf der Seite der Täter; – um ein gesundes, allgemeinverständliches Argument, uns darüber zu mockieren, dass andere Völker „uns“ nun eben wieder im Vormundschaftsstreben sehen, haben uns unsere Bonzen in Innen- und Außenpolitik, in den Krämerstuben des Geldkapitals, letztendlich bis in die Wirtschaft hinein, aber doch wirklich gebracht?
Im Zusammenwirken mit der von ihr gekauften „öffentlichen Meinung“, genannt die „Massen-Medien“…?

Vor nicht ganz anderthalb  Jahren schrieb „Bild“ ganz groß in Okkupantenmanier erst: „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen“, und vielleicht nur, um von der wahren Intention abzulenken, „… und die Akropolis gleich mit!“
Und weiter: „Auch wenn es vielleicht verrückt klingt: Wenn wir den Griechen doch noch mit Milliarden Euro aushelfen müssen, sollten sie dafür auch etwas hergeben – z. B. ein paar ihrer wunderschönen Inseln. …Tatsächlich ist es der größte Schatz der Griechen: 3054 Inseln, nur 87 davon bewohnt.
Und einen Markt gibt es! Derzeit bietet z. B. das Hamburger Maklerbüro Vladi Private Islands eine unbewohnte griechische Insel an
…Ob die Kanzlerin morgen mit ihrem Amtskollegen Papandreou bei dessen Berlin-Besuch die Insel-Frage anschneidet …?“

Wer hier lediglich gutgelaunten Populismus oder Gagenhumor eines nicht weiter ernstzunehmenden Blättchens (2, 7 Mio Auflage, zit. wikiped.) sehen will, muss nicht weiterlesen:
„Der Koalitionspartner rät dazu. FDP-Finanzexperte Frank Schäffler zu BILD: „Die Kanzlerin darf keinen Rechtsbruch begehen, darf Griechenland keine Hilfen versprechen. Der griechische Staat muss sich radikal von Beteiligungen an Firmen trennen und auch Grundbesitz, z. B. unbewohnte Inseln, verkaufen.“
CDU-Mittelstandschef Josef Schlarmann: „Ein Bankrotteur muss alles, was er hat, zu Geld machen – um seine Gläubiger zu bedienen. Griechenland besitzt Gebäude, Firmen und unbewohnte Inseln, die für die Schuldentilgung eingesetzt werden können.“
Marco Wanderwitz, Chef der Jungen Gruppe in der Union, zu BILD: „Das Vertrauen in Griechenland ist schwer geschädigt. Wenn die EU und damit auch Deutschland den Griechen Geld geben soll, muss es dafür gerade im Sinne der jungen Generation auch Sicherheiten geben, die im Notfall verkauft werden können. Dabei kommen zum Beispiel auch einige griechische Inseln infrage.“

Dass solches Ansinnen selbst nicht ohne eine gewisse Tradition sei, fängt den Blick des Überflieger des Artikels dickgelettert nochmal am Ende, hinter dem verräterischem: „Übrigens: Schon einmal wurde der Kauf einer Trauminsel in Deutschland heiß diskutiert. Das war 1993 – und die Insel hieß Mallorca. Die Idee zweier Bundestagsabgeordneter setzte sich damals leider nicht durch“ – obwohl sie keineswegs von politischen Nobodies gekommen war: Bild: „Einer der beiden war Peter Ramsauer (CSU) – heute Bundesverkehrsminister …“

In der Folge bohrte sich die Vorstellung von einer finanziell sorglos bis betrügerischen, frech auf die Barmherzigkeit bauenden, dabei aber unproduktiven Frührentner- und Beamtenseele der Griechen in die Köpfe der deutschen Medienkonsumenten. Was revidiert da viel, wenn „Die Zeit“ im Wirtschaftsteil (Juni 2011) erkennt: „Das griechische Volk ist unschuldig. Die einfachen Griechen leiden am stärksten unter der Krise, die Eliten haben die Misere verursacht.“

Der Focus zeigte in jenen Tagen vor anderthalb Jahren in Gestalt der griechischen  Liebesgöttin höchstselbst den „Stinkefinger“ den „Betrügern in der Euro-Familie – womit er „Griechenland“, aber vielleicht auch „Spanien, Portugal, Italien?“ anspricht.
Es gab in der Folge einige Unruhen – in dem zum Aufmacher gehörenden Artikel im Heft wurde (Zit. Spiegel/Kultur: „die griechische Finanzmisere ausführlich beschrieben: Von säumigen Steuerzahlern war da die Rede, missglückten Bauvorhaben und verirrten Fährschiffen – alles in allem konstatierten die Autoren „2000 Jahre Niedergang“ in Griechenland.“ Athen stellte eine Prozess wegen Beleidigung in Aussicht, sollten sich Focusverantwortliche nicht entschuldigen, später wurde vertagt…

Die Zeitung „Eleftheros Typos“ revanchierte sich mit eine Fotomontage der Göttin Viktoria von der Berliner Siegessäule, wie sie nun in der salbungsvoll erhobenen Hand ein Hakenkreuz hält. Focus: „Im Text dazu hieß es: „Finanznazitum bedroht Europa““

Diesmal, nur eineinhalb Jahre später – die den Griechen  auf ihrer Odysee auf den unbekannten Ozeanen des neun Geldflusses und schwindeleregend demokratiefernen Änderungen im Regierungsgefüge freilich wie wie eine Ewigkeit erschienen sein mögen – nun sollen diese Bemühungen (wikiped.?) lediglich Überlegungen bei den Brüsslern hervorgerufen haben über „Abgabe der finanzpolitischen Souveränität“, und ausgerechnet Deutschland will einen „Sparkommissar“ entsenden?

Man ahnt sicher auch in Griechenland schon Schlimmstes, und hätte auch allen Grund, wenn dort nun heute die Finanzjongleure aus den Zeiten des gefälschten Haushaltsberichts Griechenlands in der Regierung angekommen sind – des Begleichens ihrer Schuld vor unsichtbaren Hintermännern auf Volkes Rücken sind Politiker heute ohnehin verdächtigt.

Aber sie werden dort auch wie die Scharfrichter ihrer eigenen Krise auftreten, als die Verwalter des nun so glücklich für sie auf uns gekommenen Mangels  – so wie wir Deutschen auch nur noch ein wenig länger relativ resistent gegen die Krise scheinen werden, nur weil viele Interessen hier noch zusammenlaufen.

Am Ende verbleibt das Volk, nachdem es die blutigen Ausseinandersetzungen geführt haben, geplündert, gemordet, vor Ruinen – und der ganze einstige Reichtum ist auf märchenhafte Weise dahin – bisher war das nie anders, so geht es Völkern unter Diktatoren; sei deren Diktat ein rassisches, sei es ein von Habsucht bestimmtes – über Leichen gehen sie alle ganz unbeeindruckt.
Die Leichen sind dann Griechen, Deutsche, Iranis….

An einen Konflikt mit einem ganz anderen Feind gemahnt dies Einschätzung aus London, im November 2011 in der „Times“. Die Welt übersetzt:
„Deutschland hat der Euro-Zone den Krieg erklärt“

 

 

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