Vor- und Nachrichten

- Warum uns mit diesen Medien um kein Experiment bange sein muss.

Eigentlich gibt es Wichtigers zu bedenken – es solle nur schnell eingeworfen sein, bevor Sie sich zu den etablierten Medien begeben, wirklich Wissenswertes zu erfahren…
Brachte die ARD letzte Woche eine Dokumentation, “Der Sturz – Honeckers Ende” – sagt nun die Haupt-Augenzeugin, Honeckers Frau, so “Junge Welt” am 07.04.2012: »Ich habe dieses Interview diesem Kanal nicht gegeben«.

Witzig, weil wir schon letztes Jahr die Honecker-Familie in unseren Medien kennenlernen konnten [1], wobei nicht alles klar schien – damals “Honeckers Enkel”, vermittelt von “Die Zeit”, mittels “Interview mit Roberto Yáñez Betancourt y Honecker”. Hier parlieren Interviewer und Interviewter über die Ansichten des “Enkels” zu politischen Entscheidungen des Großvaters.
Wie der Enkel mit der Tatsache umginge, dass es doch sein Großvater war, der die Mauer errichtet hatte…
Es mag eine entschuldbare Recherchelücke des Journalisten sein… Wie er aber den Enkel den Sinn verwirrt, dass dieser nun auch meint, sein Gr0ßvater, und nicht bereits Ulbricht habe die Mauer bauen lassen – er stattdessen zu berichten vermag von seinem Zwiespalt mit dem vermeintlichen Mauerbauer und dem geliebten Großvater, bleibt des Reporters Geheimnis. Wenn die beiden sich überhaupt jemals begegnet sind…

Dass die Frau da im ARD-Film auch Margot Honecker ist, kann man angesichts der Bilddokumentationen der 45 minütigen Sendung ruhig annehmen. Ob man nicht nur Worte und einzelne Sätze, sondern ganze komplexe Passagen zu einem Thema so aus dem Konsens reissen kann, dass der Interviewte selbst sich nicht mehr erinnern kann…? Zumal hier betroffene Geständnisse abgefilmt wurden, oder mindestens geschicktes Herausreden, wenn man das so sehen will… Ob die Honecker einfach nur bösartig ist, wie das auch der Film nahelegt, mit ihrem Bestreiten einer Beteiligung an den Interview? Der NDR beharrt. (Junge Welt, 10.04.2012).

So entsteht “Wissen”! Zur besten Sendezeit, in renommierten Blättern, mit dem nötigen Pathos über die Massen gegossen…
Und nur hier, weil uns einigermaßen nachfolgbar, und in einem zugegeben mickrigen und politikunträchtigen Fall, haben wir “einige Unstimmigkeiten” bemerkt…

Die herrschende Geschichtsschreibung ist immer die Geschichtschreibung der Herrschenden, könnte man zitieren; die Zeit drängt wohl. Heute bliebe als letzter Ausweg der Sozialismus – der zur Staatsreligion erklärte Verzicht zu Gunsten einer Idee. Die umso mehr Staatsgewalt, Überwachung, Rechtsbeugung gebiert, umso mehr sich im Laufe der Zeit ihre Diskrepanz zur Realität herausstellt; dass der Wessi es nicht gleich als solches erkennt, und der Ossi es nicht wiedererkennt, wird die Diktatur – im Falle des ARD Filmchen mit einem altersstarren Betonkopf, im Falle des Zeitungsartikels mit einem freigekommenen Nachfahren, mit “Leben” belegt. Worin ich Margot Honecker, nur einmal sei sie zitiert, zustimmen muss: Was man heute über die DDR liest, lässt ehemalige Ossis, – und da mag es Regierungs-Bonzen so gehen wie dem dort 27 gewordenen Fabrikarbeiter ohne jegliche rückwärtsgewandte Sehnsüchte – das Land kaum wiedererkennen.

Der neue Sozialismus, ein gesamteuropäischer vielleicht, kommt dann auch viel smarter und wortgewandter daher; er hat auch die wahren Daten von 40 Jahren Experiment unter dem “Diktat des Proletariats”.

*

[1]Die Zeit, 2011, Zeitmagazin, “Ein Rebell bin ich erst heute” – Roberto Yáñez Betancourt y Honecker spricht über seinen Großvater Erich Honecker…” 2011, Auszüge: “Yáñez: Die Hochhäuser, das Plattenbausystem der DDR, billige Brötchen. Und natürlich die Mauer, die ist meine wichtigste Erinnerung. Ich hatte Pionierappell vor der Mauer, bin nahe der Mauer in die Reinhold-Huhn-Schule gegangen.
Wir wohnten in der Leipziger Straße in Mitte, eine einfache Wohnung, drei Zimmer, zwölfter Stock, Westbalkon mit Blick nach drüben. Es mag sich vielleicht komisch anhören, weil es mein Großvater gewesen ist, der sie gebaut hat, aber mir hat diese Mauer nie gefallen. Für mich bedeutete sie ein Verbot. Eine Begrenzung meiner Freiheit…

ZEITmagazin: Man könnte ihn auch fragen, warum er diese Mauer überhaupt hat bauen lassen.
Yáñez: Aber das weiß ich ja. Dazu habe ich meine Meinung, und die würde sich nicht ändern, wenn er mir etwas erklärt. Mauern sind nie gut, egal ob in Berlin, in Mexiko oder in Palästina. An Mauern sterben Leute….”

Sehen Sie ruhig nach, ob es so noch dassteht, ich geh nicht nochmal hin; mein Einwand als Kommentar, (klick für groß)
und dutzende weitere wurden bereits gelöscht…

Update 20.4.2012, “Junge Welt”, 12.04.2012
“Ohne Zustimmung – Der Verlag Das Neue Berlin erhebt wegen der Dokumentation »Der Sturz – Honeckers Ende« schwere Vorwürfe gegen Filmemacher Eric Friedler
…Im Zusammenhang mit dem von der ARD ausgestrahlten Film »Der Sturz«, dessen Herzstück ein Interview mit Margot Honecker in Chile bildete, verbreitete der NDR zu Ostern eine Pressemitteilung. Darin widersprach der Sender der Erklärung Margot Honeckers, sie habe der ARD kein Interview gegeben. »Es handelte sich um ein gesetztes Interview mit Kameramann und zwei Kameras, das an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Haus von Frau Honecker in Santiago de Chile stattfand. Frau Honecker war mit den Aufnahmen ausdrücklich einverstanden«, heißt es im NDR-Dementi. »Eric Friedler hat dabei weder seine Identität verleugnet noch zu irgendeinem Zeitpunkt heimlich gedreht.«
Wahr ist: Eric Friedler begleitete den Verleger und Publizisten Frank Schumann im September 2011 zu Frau Honecker nach Chile. Reiseanlaß waren Verlagsrecherchen für Buchprojekte zum 100. Geburtstag Erich Honeckers am 25. August 2012 und zum 85. von Margot Honecker am 17. April 2012 …
Margot Honecker hatte am 13. November 2010 die Anfrage des Verlages, ob sie auch für ein von Herrn Friedler geplantes Filmprojekt »Honeckers in Lobetal« als Zeitzeugin zur Verfügung stehe, klar abgesagt …”
mehr dort

About these ads
Veröffentlicht in Balken im Auge. Leave a Comment »

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.