KK – wer schreibt, der bleibt

Man staunt bereits nicht mehr, wie sich in alle Bereichen die Abwesenheit von „Demokratie“ (wenn wir darunter des Volkes Willen verstehen wollen) durchschlägt. Man staunt aber immer noch, wie die Profiteure unserer Weigerung, die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen, seit Jahrhunderten die gleichen geblieben sind?

Nehmen wir: „die Kirche“ – und meinen damit vorerst die organisierteste Institution innerhalb der „christliche Glaubenskonfession“, die römisch-katholische Kirche, angesiedelt im Vatikan: Als Produkt einer sehr willkürlicher Auslegung eines Vierzeilers in den Evangelien (Matthäus) leitete „damals“ – vor nicht ganz 2000 Jahren – der bis dato nur mit einer „informelle(n) Führungsfunktion in der lokalen Gemeinde“, ausgestattete „Leiter der römischen Ortskirche“ (wikiped.), der „Bischof von Rom“, seinen Anspruch ab, als, zunehmend alleinverständig und unfehlbarer Vermittler des Willens Gottes für seine Schöpfung zu agieren. Gottes Platz auf Erden von IHM persönlich übertragen bekommen zu haben, Gott auf Erden zu sein. Wir wissen, mit „Kreuzügen“, „Ketzerverfolgungen“ und „Religionskriegen“, dass dies Seiner Schöpfung erst weitreichend schmackhaft gemacht werden musste, und diesem Anspruch bis heute, nicht nur unter Bibelkundigen und seitens anderer Religionen, heftigst widersprochen wird.

Dennoch gehören der Katholischen Kirche – „der größten Kirche innerhalb des Christentums“, heute „weltweit etwa 1,181 Milliarden Mitglieder“ an (n. Wikip.).

Wir hörten von Mord und Totschlag, vermerkten auf halber Strecke froh die „Reformation“. „Kirche“ können wir in diesen Tagen gerade nur mit Friedfertigkeit assoziieren, ansonsten berührt uns das Gewese nicht im mindesten: Mit Gott halten wir es wie mit all den toten Vätern im Himmel, resp. der Hölle – wir gedenken ihrem Wirken im Kontext ihrer Zeit.

Vielleicht entsteht durch Atheismus – neben Schäden am (so:“nicht-gläubigen“) Individium, – dieses nicht vernachlässigbare, gesammtgesellschaftliche Problem: dass er, wegen seiner dogmatischen Bekenntnisse, zuerst „die Kirche“ befördert – der er, in seiner (nicht weniger dogmatischen) Ignoranz, unbeleuchtet, das Feld überlässt, das einen Großteil des menschlichen Bewusstseins bildet. Und vielleicht ist das gar sein wahrer Sinn. „Gottgewollt“ – bis ins 18. Jhd zumindest – überhahmen die Kleriker die Deutung menschlichen Seins.

Wikipedia erläutert die heutigen Rechte des Oberhaupts der Katholischen Kirche, und in die Zeit des Mittelalters fühltman sich zurückversetzt: „Seit ältester Zeit … verstehen sich die Bischöfe von Rom () als Nachfolger des Apostelsprechers und Inhaber des Petrusamts gemäß Matthäus 16,18. Dieser Ehrenvorrang der Päpste, prinzipiell von vielen Kirchen und Konfessionen anerkannt und im Can. 6 des Konzils von Nicaea als Gewohnheit bezeichnet,…
Dem Papst kommt im Recht der katholischen Kirche die zentrale Rolle zu….
Der Papst hat nicht nur einen Ehrenvorrang vor den übrigen Bischöfen, er ist vielmehr Haupt des Bischofskollegiums und als solcher mit wirklichen Kompetenzen über die Gesamtkirche ausgestattet.

Als Bischof von Rom ist der Papst Leiter der römischen Ortskirche.

Die Primatialgewalt des Papstes meint die „höchste, volle, unmittelbare und universale ordentliche Gewalt“ (), die der Papst immer und überall frei ausüben kann.

Der Papst ist Träger der Höchstgewalt (potestas suprema), d.h. dass es in der Kirche keine Gewalt, die ihm rechtlich übergeordnet ist, gibt.

Vollgewalt (potestas plena) bezeichnet eine Gewaltenfülle in materieller und formeller Hinsicht.
Materiell bedeutet sie, dass sich die Primatialgewalt des Papstes nicht auf bestimmte Sachgebiete beschränkt, sondern sich auf alle Angelegenheiten der Kirche erstreckt, also auf die klassischen Bereiche des Lehrens, Heiligens und Leitens.

In formaler Hinsicht bedeutet Vollgewalt, dass die Amtsgewalt des Papstes Exekutive, Legislative und Judikative umfasst. So ist der Papst oberster Gesetzgeber der Kirche und nur an das göttliche Recht (ius divinum), welches als solches unveränderlich ist, gebunden.
Bezüglich rein kirchlichen Rechts () kann er jederzeit neue Kanones erlassen, alte streichen oder von ihnen befreien …
Der Papst ist auch oberster Richter der Kirche und selbst keinem kirchlichen Gericht unterworfen (). Urteile des Papstes sind demgemäß stets letztinstanzlich und unanfechtbar. …
Als oberster Verwalter der Kirche ist der Papst mit der Aufsicht über das ganze kirchliche Leben betraut. Dabei bedient er sich vor allem seiner Kurie, der Nuntien und besonderer Visitatoren. Zudem besteht für jede Bischofskonferenz die Pflicht, alle fünf Jahre in Rom über das kirchliche Leben auf dem Gebiet der Konferenz Bericht zu erstatten

Die Primatialgewalt ist auch unmittelbar (potestas immediata). Das bedeutet, dass sich der Papst ohne Einschaltung eines Zwischenorgans jeder Sache annehmen kann. Der Papst kann so unter Ausschluss aller (originär zuständigen) Instanzen eine Sache an sich ziehen und sich eine bestimmte Entscheidung vorbehalten (Affectio papalis).

Universalgewalt (potestas universalis) bedeutet, dass sich die Primatialgewalt auf die ganze Kirche, also auf alle Teilkirchen (z.B. Bistümer) und kirchlichen Teilgemeinschaften bezieht. Der Papst ist also „Universalbischof der katholischen Kirche“

Die Bezeichnung der Primatialgewalt als wirkliche bischöfliche Gewalt (potestas vere episcopalis) geht vor allem auf Bestrebungen zurück, die Primatialgewalt deutlich von der weltlichen Gewalt für das äußere Kirchenregiment zu unterscheiden und sie so auch dem weltlichen Einfluss zu entziehen. Die Primatialgewalt ist also eine geistliche Gewalt, was heute auch nicht mehr in Frage steht…“

Betrifft uns also kaum, uns „Reformierte“, oder besser noch: ohne Konfession. Rom ist fern, „Wir“ ganz sicher nicht Papst.

Wär vor kurzem aber noch fast ins Auge gegangen? Für die Verfassung des Vereinten Europa gar machte sich eine ihrer Konstrukteure stark: Am 20. 01. 2007 weiß dpa: „EU-Ratspräsidentin Angela Merkel … hat den europäischen Verfassungsvertrag kritisiert, weil dessen Präambel keinen Bezug auf Gott enthält“, und Focus lässt sie schmollen: „Ich hätte mir ein klareres Bekenntnis zu den christlichen Wurzeln gewünscht.“
„Wenn dieses fehle, sei zweifelhaft, ob „das Prägende des Christentums für die alltägliche Politik aufrecht erhalten“ bleibe. „Europa muss sich mit dieser Frage weiter beschäftigen“, verlangte die Kanzlerin.“, fährt Focus fort und zitiert auch den damaligen Vorsitzenden des „Zusammenschlusses aller katholischen Bischöfe aller Diözesen in Deutschland“ (Wikiped.): „Kardinal Lehmann wertete den fehlenden Gottesbezug der Europa-Verfassung als „Anfrage an das Christentum, ob wir stark genug sind, auch im intellektuellen Zeugnis des Glaubens“. … Wenn in der Präambel doch noch deutlich werde, „dass auch Religion mit der zugehörigen Kultur zu den entscheidenden Fundamenten Europas gehört, dann ist schon mal für den Anfang viel gewonnen“…“

Sowohl Merkel, als auch Lehman, erkennen konfessionsgemäß den Papst in Fragen des Glaubens als uneingeschränkt anweisungsberechtigt an.
Da ist Europa wohl noch mal davongekommen, ungefragt, per Verfassungsauftrag,päpstlicher vielleicht noch als der Papst sein zu müssen?
Wenn man, durch die Zugehörigkeit des nicht gewählten obersten Mannes der gesammteuropäischen Regierung zum Jesuitenorden – einer sich dem Papst per Schwur bis zum Kadavergehorsam ergebenen Loge – seinen Glauben an die hinlänglich vollzogene Trennung von Staat (bzw: „Staatenbund“) und Religion nicht irritieren lassen will.

„Mit Hinweis auf jüdische, christliche und muslimische Beiträge zur abendländischen Kulturgeschichte erklärte Merkel: „Europa ist kein Christenclub“, sondern … „ein Werteclub“. Für diese Werte müsse Europa allerdings „bereit sein zu kämpfen“, verlangte sie. „Wir werden keinesfalls Positionen akzeptieren, die Würde des Menschen sei antastbar, oder Mann und Frau müssten unterschiedliche Entfaltungsmöglichkeiten haben…. Mit einem Bekenntnis zum Christentum sei „niemand ausgegrenzt. Wir haben aber aus lauter Angst“ vor Ausgrenzung Andersgläubiger „darauf verzichtet, für unsere Überzeugungen zu werben“, zitierte Focus damals weiter. „Kardinal Lehmann zeigte sich „sehr froh“ über diesen Appell der Kanzlerin und fügte hinzu: „Die Zögerlichkeit und manchmal auch Feigheit, den eigenen Standort deutlich und klar zu markieren, ist in der Tat unsere größte Schwäche.“

„Eben deshalb sei es fraglich, „ob wir wirklich einen ernsthaften Dialog mit dem Islam führen können“, wird der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz abschließend zitiert.

Nun, nicht zuallererst um „ernsthaften Dialog“ wird es den Opfern der „religiösen Ansichten“ ihrer Führer sein, wenn sie ihre Angehörigen beerdigen; denen genügte vielleicht schon eine Verabredung zum Dialog. Der Papst von heute weiß das auch. „Beten wir darum, dass Israelis und Palästinenser im Frieden des einen Gottes und in Freiheit ihr Leben entfalten können.“, ließ sich die Stimme Gottes auf Erden bei ihrer Christmette im Petersdom vernehmen (dpa, 25.12.2012).

„Beten wir auch für die umliegenden Länder, für den Libanon, für Syrien, den Irak und so fort: dass dort Friede werde“ … „Dass die Christen in diesen Ländern des Ursprungs unseres Glaubens dort ihr Zuhause behalten können, dass Christen und Muslime im Frieden Gottes miteinander ihre Länder aufbauen.“

Da ist nur ein Gott!
Aber „welcher“ – anweisen die von Gottes Gnaden!

Und nun kommen wir, über eine ganz banale, dem Erdendasein viel zu nah erscheinende Friedensstörung der Katholischen Kirche dieser Tage, dokumentiert in diesem Film: „Gott hat hohe Nebenkosten | Wer wirklich für die Kirche zahlt“ (Autorin Eva Müller – publ. am 15. Dezember 2012), auf eine staats(ver)bildenden, , und, wie Sie mir bitte zugestehen: weitreichenden und in der Konsequenz verfälschenden Aspekt der klerikalen Einflussnahme auf unser doch so gott-los gegelaubtes Leben

Die Reportage geht um eine Lehrerin an eine katholischen Schule, der das Arbeitsverhältnis aufgesagt wurde, als sie in Scheidung von ihren Mann ging. Der Arbeitgeber sieht es mit seinem Katechismus als unvereinbar, eine Ehebrecherin weiterzubeschäftigen; für manche, wohl auch die Autorin, tut sich hinter dem in Folge der Reportage als eigentlich bemerkenswert auf, dass die Kirche nach eigenem Katechismus dort lehren darf, obwohl sie – ganz anders als nach einräumbaren Konsens: Wer zahlt, bestimmt die Musik“ – dennoch den Großteil ihrer Auslagen für den Schulbetrieb vom Staat sich erstatten lässt. Das mag eine weitere, wenn auch unbedeutende im Gesamtbild auftretende Illustration eines Einflusses der Kirche auf den Staat gewesen sein – zum Glockenabklingenlassen kann man zu diesem Film in diesen faulen Tagen dennoch raten – führt er doch auch anschaulich die oben befürchtete Konsequenz vor Augen. Es ist in beschriebener Sache das Problem der Stadtverwaltung, den Schulbetrieb selbst nicht finanzieren zu können (Im Film gibt es ein Happy-End). Überal, so zeigt eine flüchtige Webrecherche in den Amtsseiten der Städte und Gemeinden, dienen sich nun die „Freie-Schul“-Träger im herabgewirtschafteten Land an – fast ausschließlich beauftragt von der Kirche, „protestantisch“, „konservativ“

Könnte eines Tages wieder „Gott“ unseren Lebensinhalt bestimmen – übermittelt von Autoritäten schon in Kindeszeiten – die wir eh‘ nicht verstehen, aufgeklärte Nation?

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